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11. Juli 2001
Gemeinsame Pressemitteilung von
Reporter ohne Grenzen und der Hamburger Stiftung für
politisch Verfolgte
Tadschikistan/Moskau
Dododjon Atovulloev wieder frei und auf dem Weg nach Deutschland
Der tadschikische Journalist Dododjon
Atovulloev, gemeinsamer Gast von Reporter ohne Grenzen
und der Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte seit
Mai 2001, wurde heute, nach sechs Tagen quälender Ungewissheit,
aus der Haft entlassen.
Dieser Fall beweist einmal mehr, wie wichtig
es ist, dass sich Organisationen wie unsere für den Schutz
bedrohter Menschenrechtler einsetzen, um die internationale
und nationale Öffentlichkeit zu mobilisieren, u.a. den
Ersten Bürgermeister von Hamburg und Vorsitzenden der
Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte, Ortwin Runde,
den Bundesaußenminister Joschka Fischer und den OSZE-Medienbeauftragten
Freimut Duve. Ein Antrag auf Einstweilige Verfügung gegen
die Auslieferung Atovulloevs lag beim Europäischen Gerichtshof
ebenfalls vor.
Nach unseren Informationen befindet sich
Dododjon Atovulloev inzwischen in einem Flugzeug nach Düsseldorf.
Die beiden Organisationen freuen sich sehr und hoffen, dass
Atovulloev ohne weitere Zwischenfälle tatsächlich
in Deutschland eintrifft.
Reporter ohne Grenzen und die Hamburger
Stiftung für politisch Verfolgte sind sehr erleichtert,
dass der russische Generalstaatsanwalt Wladimir Ustinow heute
gegen eine Auslieferung des Journalisten an Tadschikistan
entschieden hat: "Nach eingehender Prüfung der Unterlagen
befindet der russische Generalstaatsanwalt, dass es keine
ausreichen-den Gründe für eine Auslieferung Atovulloevs
gibt", so das Büro des Staatsanwalts laut der russischen
Nachrichten-agentur Interfax.
Hintergrund:
Dododjon Atovulloev gründete 1991 die
erste private und freie demokratische Zeitung Tscharogi
Rus (Tageslicht), die zur populärsten Tageszeitung
Tadschikistans wurde. Während des fünfjährigen
Bürgerkriegs (1992 - 1997) wurde sie zur wichtigsten
Plattform der Exil-Opposition. Atovulloevs Name stand auf
den Todeslisten der Umstürzler. Obwohl er an den UN-Friedensverhandlungen
teilnahm, durfte die Zeitung nach dem Friedensschluss 1997
nicht wieder in Tadschikistan erscheinen.
Dododjon Atovulloev floh ins Moskauer Exil
und gab Tscharogi Rus dort wieder heraus. Auch dort
stand er im Visier tadschikischer Machthaber: Zu deutlich
mahnt er die Beachtung der Menschenrechte und die Einhaltung
demokratischer Regeln an, prangert die Machenschaften der
Verantwortlichen in der Hauptstadt Duschanbe an, die in Korruptionsaffären
oder den Drogenhandel verstrickt sind oder bewaffnete islamische
Freischärler in den Nachbarländern Kirgisien und
Usbekistan unterstützen. Bei einer Auslieferung an
Tadschikistan wäre das Leben des Journalisten in Gefahr
gewesen.
Im April 2001 wurde Dododjon Atovulloev zum Sprecher der zentralasiatischen
Opposition mit Sitz in London ernannt.
Die Hamburger Stiftung hatte auf einen
dringenden Hilfeaufruf der Menschenrechtsorganisation Reporter
ohne Grenzen und des Journalisten Thomas Roth (ARD-Moskau)
reagiert und Atovulloev und seine Familie für ein Jahr
als Gast eingeladen.
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