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21. Mai 2001
Tadschikistan
Im Namen der Pressefreiheit - Dododjon
Atovulloev
Der Journalist Dododjon Atovulloev,
neuer Gast der Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte,
ist heute, 21. Mai 2001, in Hamburg angekommen und wird ein
Jahr bleiben. Die Stiftung reagiert mit ihrer Einladung umgehend
auf einen dringenden Hilfsaufruf der Menschenrechtsorganisation
Reporter ohne Grenzen und des Journalisten Thomas Roth (ARD-Moskau).
Im November 2000 war Dododjon Atovulloev für vier Wochen
bereits Gast von Reporter ohne Grenzen.
Selbst im Moskauer Exil steht Dododjon Atovulloev
noch im Visier tadschikischer Machthaber. Er ist sich seines
Lebens nicht sicher, weil er die Verantwortlichen seines Landes
anprangert, die in Korruptionsaffären und in den Drogenhandel
verstrickt sind oder die bewaffneten islamischen Freischärler
in den Nachbarländern Kirgisien und Usbekistan unterstützen.
In Tadschikistan wollen ihn die Mächtigen zum Schweigen
bringen. Er arbeitet und schreibt trotzdem unermüdlich
weiter - in seiner Zeitung Tscharogi Rus (Tageslicht),
die er auch im Exil weiter herausgibt. Im April 2001 wurde
Dododjon Atovulloev deshalb zum Sprecher der zentralasiatischen
Opposition mit Sitz in London ernannt.
1991 gründete er die erste private und
freie demokratische Zeitung Tscharogi Rus, die zur populärsten Tageszeitung Tadschikistans wurde.
Während des blutigen Bürgerkriegs 1992 stand sein
Name auf Todeslisten der Umstürzler. Er floh ins Moskauer
Exil.
"Die neue Macht wollte uns loswerden.
Wir wurden zu Feinden des Volkes erklärt. Gegen alle
Mitarbeiter der Zeitung wurden Verfahren eröffnet. Die
Redaktion wurde geplündert" sagt er. Obwohl Tscharogi
Rus während des fünfjährigen Bürgerkriegs
die wichtigste Plattform der Exil-Opposition gewesen ist und
Dododjon Atovulloev an den UN-Friedensverhandlungen teilnimmt,
darf die Zeitung nach dem Friedensschluss 1997 nicht wieder
in Tadschikistan erscheinen. Zu deutlich mahnt Atovulloev
die Beachtung der Menschenrechte und die Einhaltung demokratischer
Regeln an, zu unbequem sind seine Texte für die Verantwortlichen
krimineller Machenschaften in der Hauptstadt Duschanbe. So
wird denn auch mit Nachdruck seine Auslieferung gefordert.
Über sein Leben im Exil und die vielen
Morddrohungen sagt er: "Das Leben in Moskau ist auch kein
Zuckerschlecken. Die Erniedrigung durch die Polizei und die
tägliche Lebensgefahr. Ich habe so oft die Wohnung gewechselt,
dass ich beim Wort Umzug 'Gänsehaut' kriege. Ich ging
viele Male aus dem Haus, ohne zu wissen, ob ich lebend zurückkehren
würde".
Dododjon Atovulloev will die Einladung der
Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte nutzen, um
hier neue Kontakte zu knüpfen und über sein Land
und die dortigen Zustände zu informieren.
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