Mutige Journalistinnen und Bloggerinnen
Meera Jamal, Pakistan: Zuflucht in Deutschland
Manja Balama-Samba, Sierra Leone:
Im Einsatz gegen weibliche Genitalverstümmelung
Meera Jamal, Pakistan: Zuflucht in Deutschland
Maskierte Männer drohten Meera Jamal auf deren Weg zur Arbeit mit dem Tode. Eine anschließende Anzeige der Journalistin bei der Polizei schlug fehl. Das war für die Zeitungsjournalistin der Zeitpunkt, sich endgültig zur Flucht aus Pakistan zu entscheiden. Schon zuvor hatte die 26-Jährige über Telefon und Briefe mehrfach Drohungen erhalten.
Meera Jamal schrieb in der als liberal geltenden Tageszeitung Dawn über Frauen-, Kinder- und Minderheitenrechte. Sie berichtete zudem über Themen wie Recht auf Scheidung und mangelnde staatliche Hilfe bei Vergewaltigung. Vor allem nach einem Artikel zur Kritik an den Koranschulen nahmen anonyme Drohanrufe und –briefe zu. Man gab Meera Jamal zu verstehen, dass ihre Artikel in einer islamischen Gesellschaft unerwünscht seien und nicht toleriert würden. Nach ihrer Flucht im Oktober 2008 fand Meera Jamal mit Hilfe von Reporter ohne Grenzen Schutz in Deutschland.
Bei ihrer Rückkehr nach Pakistan gäbe es keine Garantie für ihre Sicherheit, schreibt ROG in dem Dossier, das dem Bundesamt für Migration vorgelegt wurde. Für ihre körperliche Unversehrtheit und Sicherheit gäbe es keine Garantie. Im Januar 2009 erhält Meera Jamal nach einem Beschluss des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge in Deutschland eine Aufenthaltserlaubnis für zunächst drei Jahre.
Situation der Pressefreiheit in Pakistan
Auf der ROG-Rangliste der Pressefreiheit steht Pakistan auf Platz 152 von insgesamt 173 Staaten. Seit Beginn dieses Jahres sind drei Journalisten getötet worden, im vergangenen Jahr sieben – damit ist Pakistan nach dem Irak weltweit das zweitgefährlichste Land für Medienmitarbeiter/innen. Journalistinnen und Journalisten müssen dort nicht nur mit Übergriffen von Polizei und Geheimdiensten rechnen. Sie geraten auch immer wieder in die Schusslinie militanter islamischer Gruppen.
Journalistinnen, die über Frauenrechte und religiösen Fundamentalismus berichten, müssen mit Drohungen rechnen. Um der Gefahr zu entgehen, üben sich Journalistinnen auch in Selbstzensur und äußern sich nicht zu diesen Fragen. Der Frauenanteil in den Medien ist weiterhin sehr gering: Weniger als ein Prozent der Mitarbeiter/innen von Printmedien sind Frauen, beim Fernsehen sind es rund fünf Prozent.
„Pakistan hatte zwar lange Zeit eine Frau als Regierungschefin, auch dem Parlament steht Fahmida Mirza vor, auch in anderen politischen Ämtern gibt es Frauen – aber an der Basis gibt es solche Veränderungen nicht“, sagt Meer Jamal.
Manja Balama-Samba, Sierra Leone: Im Einsatz gegen weibliche Genitalverstümmelung
Manja Balama-Samba ist traumatisiert und fühlt sich gedemütigt, sie traut sich nicht mehr in die Öffentlichkeit. Sie wurde am 7. Februar 2009 für mehrere Stunden von Sympathisanten einer Pro-Beschneidungsgruppe festgehalten: In einem so genannten „Bundo-Busch“, einem abgelegenen Ort, wo Beschneidungen stattfinden, wurde Manja Balama-Samba gezwungen, sich auszuziehen. Bereits einen Tag zuvor wurde die Journalistin massiv bedroht. Der Grund: Sie hat über weibliche Genitalverstümmelung berichtet.
Manja Balama-Samba arbeitet für das UN-Radio und den Sierra Leone Broadcasting Service (SLBS) in der östlich des Landes gelegenen Stadt Kenema. Zusammen mit drei anderen Journalistinnen und dem „Inter-Afrikanischen Komitee für Traditionelle Bräuche“ hatte sie eine Serie von Interviews veröffentlicht, um auf den Internationalen Tag „Null Toleranz gegen Genitalverstümmelung“ der Vereinten Nationen am 6. Februar aufmerksam zu machen. Balama-Sambas drei Kolleginnen wurden ebenfalls von Beschneidungsbefürworterinnen festgehalten.
Zu der Tat bekannte sich Haja Massah Kaisamba, die Chefin der Bondo-Geheimgesellschaft, eine Frauenorganisation, die weibliche Genitalverstümmelung befürwortet und auch praktiziert. Sie wertete die Fragen und Kommentare der Journalistinnen als Zeichen von Respektlosigkeit gegenüber ihren Traditionen.
Nach Schätzungen der Vereinten Nationen sind 94 Prozent der Frauen in Sierra Leone Opfer weiblicher Genitalverstümmelung. Obwohl Sierra Leone schon 1988 das Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau unterschrieben hat, ist bis heute noch kein Gesetz gegen weibliche Genitalverstümmelung verabschiedet worden.
Die Tradition der weiblichen Genitalverstümmelung bietet noch immer vielen Frauen ein Einkommen in Sierra Leone, das zu den ärmsten Ländern Afrikas zählt. Der Weg zur Veränderung ist noch weit, wenn sogar die Frau des Präsidenten weibliche Beschneidung finanziell unterstützt und die Ministerin für Soziales, Frauen und Kinder, Haja Musu Kandeh, gegen Gegner/innen weiblicher Genitalverstümmelung öffentlich Drohungen ausspricht.
Situation der Pressefreiheit in Sierra Leone
Sierra Leone liegt auf der ROG-Rangliste der Pressefreiheit auf Platz 114 von 173 Ländern. Trotz der laut Verfassung garantierten Meinungsfreiheit, ist diese in dem westafrikanischen Land bedroht. Besonders das umstrittene Ordnungsgesetz von 1965 mit Straftatbeständen der Verleumdung und Beleidigung kriminalisiert, führte in den vergangenen Jahren zu mehreren Festnahmen von Journalisten und Verlegern.
Shahnaz Gholami, Iran: Bloggen für Frauenrechte
Für ihr politisches Engagement und ihren Einsatz für Frauenrechte hat die Bloggerin Shahnaz Gholami schon mehrere Gefängnisstrafen in Kauf genommen: Bereits in den 80er Jahren verbrachte sie wegen politischer Aktivitäten fünf Jahre hinter Gittern. Im Sommer 2007 folgte eine mehrwöchige Haft, nachdem sie das Vorgehen von Polizisten gegen Demonstranten kritisiert hatte.
Ab November 2008 saß Gholami erneut im Gefängnis, dieses Mal für 69 Tage. Laut Haftbefehl wurden bei der Redakteurin des Blogs Azar Zan (http://azarwomen.blogfa.com) Artikel gefunden, die „die nationale Sicherheit beeinträchtigen“. Zudem habe „die Beschuldigte ausgesagt, diese Artikel in ihrem Weblog veröffentlicht zu haben“. Ihre 9-jährige Tochter sah Gholami in dieser Zeit nur einmal. Im Gefängnis von Tabriz begann sie aus Protest gegen die Haftbedingungen einen Hungerstreik.
Nun ist die Bloggerin wieder frei – in Erwartung eines Termins für ein Berufungsverfahren gegen die Entscheidung eines Revolutionsgerichtes von Tabriz im Nordosten des Landes: Am 20. September 2008 hatte die erste Kammer dieses Gerichtes Gholami bereits zu sechs Monaten Gefängnis wegen „Veröffentlichungen gegen die Islamische Republik“ verurteilt.
Gholami ist ebenfalls Mitglied der „Vereinigung der Journalistinnen“ (ARZ). Sie engagiert sich seit 2005 für Frauenrechte und gehört zu der Gruppe von feministischen Journalistinnen im Iran, die im Jahr 2005 eine nationale Petition zur Abschaffung frauenfeindlicher Gesetze gestartet hat. Diese Bewegung hat sich zum Ziel gesetzt, eine Million Unterschriften für diese Forderung zu sammeln.
Am 9. Januar wurde die Kampagne „1 Million Unterschriften für Gerechtigkeit“ mit dem „Prix Simone de Beauvoir pour la liberté des femmes 2009“ ausgezeichnet. Die Unterschriftenaktion ist mittlerweile zu einer Massenbewegung geworden. Aber die Frauen, die sich der Bewegung anschließen, müssen mit Drohungen, Haftstrafen und Hausarrest rechnen.
Situation der Pressefreiheit im Iran
Auf der aktuellen Rangliste der Pressefreiheit 2008 von Reporter ohne Grenzen besetzt der Iran den 166. Rang von 173 Ländern. Das Land gehört damit zu den „schwarzen Zonen“ auf der Weltkarte der Pressefreiheit. Journalistinnen und Journalisten sowie Internetaktivistinnen und –aktivisten im Iran tragen hohe Risiken. Sie müssen viele Frustrationen sowie Schikanen durch Justiz und Polizei hinnehmen. Insbesondere Kritiker/innen des Staats- und Regierungschefs Mahmud Ahmadinedschad oder Journalistinnen und Journalisten, die sich für kurdische Interessen einsetzen, müssen mit Verfolgung rechnen.
Aber auch Cyberfeministinnen stehen im Visier der Regierung: Frauen, die über Geschlechter-Diskriminierung schreiben und gleiche Rechte einfordern, müssen mit Drohungen, Haftstrafen und Hausarrest rechnen.
Zudem gilt der Iran immer noch als größtes Gefängnis für Blogger/innen und Medienmitarbeiter/innen im Nahen Osten: Unter den Inhaftierten ist eine Frau: Die freie Journalistin Roxana Saberi mit doppelter Staatsbürgerschaft (US-amerikanischer und iranischer). Noch ist der Grund für ihre Festnahme und ihr derzeitiger Aufenthaltsort nicht bekannt. Ein US-amerikanischer Radiosender berichtete am 1. März 2009 über Saberis Festnahme.



