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Ohne Pressefreiheit bleiben Opfer unsichtbar
 
Russland 29.07.10
Journalisten bei Berichterstattung über Umweltproteste festgenommen

Reporter ohne Grenzen (ROG) kritisiert die Festnahme zweier Reporter durch Polizeibeamte am Morgen des 23. Juli im Chimki-Wald im nördlichen Randgebiet von Moskau. Die Journalisten Elena Kostjutschenko und Juri Timofejew wollten über gewalttätige Angriffe auf Umweltschützer durch Vermummte berichten. Kostjutschenko wurde bei der Festnahme durch einen Schlag verletzt.


„Wir verurteilen den Angriff auf Elena Kostjutschenko“, so ROG. „Journalisten werden in Russland bei Protesten häufig an der Berichterstattung gehindert, weil sie von der Polizei wie Demonstranten behandelt werden.“


Kostjutschenko, die für die Oppositionszeitung Nowaja Gaseta schreibt, und der Korrespondent der in Prag ansässigen Hörfunkstation Radio Liberty, Timofejew, wurden nach ihrer Festnahme zur nahe gelegenen Polizeistation gebracht. Kostjutschenko wurde wegen ihrer Verletzung anschließend in ein Krankenhaus eingeliefert. Ärzte diagnostizierten bei ihr eine Verschiebung des Halswirbels. Timofejew wurde derweil wegen mangelnder Beweise entlassen.  


Die Nowaja Gaseta erstattete Strafanzeige wegen „illegalen Vorgehens der Polizei“. Auch Kostjutschenko hat angekündigt, die Polizei wegen „Festnahme, Misshandlung und Schädigung der Gesundheit“ zu verklagen.


Das Chimki-Camp, in dem Aktivisten gegen die Rodung eines Waldabschnitts protestierten,  wurde am 23. Juli um 5 Uhr morgens von rund 100 Vermummten attackiert. Die Angreifer zerstörten Zelte sowie Banner der Umweltschützer und verletzten Demonstranten. Polizisten und Mitglieder der Spezialkräfte des Innenministeriums (OMON) trafen eine Stunde später ein und verhafteten insgesamt etwa 30 Umweltaktivisten und Journalisten.


Seit Jahren protestieren Umweltschützer gegen Pläne, einen Teil der Bäume im Chimki-Wald zu fällen, um eine Autobahn zwischen Moskau und St. Petersburg zu bauen. Michail Beketow, Chefredakteur der Lokalzeitung Chimkinskaja Prawda und engagierter Unterstützer der Aktivisten, wurde am 13. November 2008 von Unbekannten angegriffen und schwer verletzt. Nach einer langen Zeit im Koma und der Amputation eines Beines ist Beketow noch immer in äußerst schlechter gesundheitlicher Verfassung.

Pressekontakt:
Anja Viohl
Tel. 030 202 15 10 - 16



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