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Ohne Pressefreiheit bleiben Opfer unsichtbar
 
Afghanistan 26.05.08
Berufung gegen Todesurteil erneut verschoben

Ein Kabuler Gericht hat gestern zum zweiten Mal das Berufungsurteil im Fall Sayed Perwiz Kambachsch verschoben. Nun soll am 1. Juni über das Todesurteil gegen den 23-jährigen Studenten und Journalist entschieden werden, dem Blasphemie vorgeworfen wird. Das Gericht begründete den neuen Termin mit dem schlechten Gesundheitszustand von Kambachsch.

Reporter ohne Grenzen und der Bruder von Kambachsch, der Journalist Jakub Ibrahimi, haben an das Gericht appelliert, schnell zu entscheiden. Die derzeitige Situation ist überaus schwierig und gefährlich für den Inhaftierten, denn er ist offensichtlich massivem Druck im Gefängnis ausgesetzt.

Kambachsch war am 22. Januar im nordafghanischen Mazar-i-Sharif zum Tode verurteilt worden. Das Berufungsverfahren begann am 18. März. Kambachsch hatte Artikel über die Rolle der Frau im Koran, den er aus dem Internet heruntergeladen, ausgedruckt und an seiner Universität verteilt. Die Richter hatten das Urteil offensichtlich nach massivem Druck durch den Rat der Mullahs sowie Beamter vor Ort gefällt. Das Verfahren fand hinter verschlossenen Türen und ohne verteidigende Anwälte statt.

Kambachsch, der neben seinem Studium als Reporter für die Tageszeitung „Jahan-e-Naw“ („The New World“) arbeitete, war am 27. Oktober 2007 festgenommen und der Blasphemie sowie der Verleumdung des Islams beschuldigt worden.

Zur Petition zur Freilassung von Kambachsch.
ROG-Meldung vom 22. Mai:
Forderung nach mehr Sicherheit für Journalistinnen in Afghanistan.

Weitere Informationen:
Katrin Evers
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Fon +49-30-6158585 – Fax +49-30-6145649
presse@reporter-ohne-grenzen.de
www.reporter-ohne-grenzen.de

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