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Ohne Pressefreiheit bleiben Opfer unsichtbar
 
Sri Lanka 26.01.10
Propaganda und Einschüchterung vor der Präsidentschaftswahl

Am Tag der Präsidentschaftswahl in Sri Lanka kritisiert Reporter ohne Grenzen (ROG) die unausgewogene politische Berichterstattung im Vorfeld der landesweiten Abstimmung. Staatliche Medien waren nach Beobachtungen von ROG zur Unterstützung des amtierenden Präsidenten Mahinda Rajapaksa herangezogen worden, während private Presseorgane und Rundfunksender der Opposition Einschüchterungsversuchen und Gewalt ausgesetzt wurden. Am 24. Januar schließlich wurde der politische Reporter Prageeth Eknaligoda entführt.

 

"Die staatlichen Fernsehsender Rupavahini und ITN widmeten in ihren Nachrichtensendungen knapp 97 Prozent der von uns ausgewerteten Zeit dem Amtsinhaber und seinen Anhängern“, so ROG. „Die Regierung konnte offenbar der Versuchung nicht wiederstehen, die staatlichen Medien zum eigenen Vorteil zu nutzen, und hat damit Hoffnungen auf eine gerechte Wahlkampfführung enttäuscht.“

 

Neben der Entführung von Prageeth Eknaligoda hat ROG von weiteren Fällen erfahren, in denen Journalisten unter Druck gesetzt oder an ihrer Arbeit behindert werden sollten. So hatte die Kriminalpolizei einen Durchsuchungsbefehl für die Zentrale der Wijeya Newspapers angefordert, unter dem Vorwurf, das Unternehmen habe „beleidigende“ Poster und andere Materialien gedruckt. Ein Gericht in Colombo wies den Antrag jedoch ab.

 

Am 24. Januar wurde in Kiribathgoda nahe der Hauptstadt Colombo ein Bus mit Journalisten von der Militärpolizei für mehrere Stunden aufgehalten. Die Reporter befanden sich auf dem Weg zu einem Auftritt des führenden Oppositionskandidaten, General Sarath Fonseka. Die Polizisten notierten die Namen und Adressen der Journalisten.

 

In Colombo wurde am 22. Januar ein Bombenanschlag auf die Wohnung von Tiran Alles, einem führenden Mitglied der Opposition und Redakteur der inzwischen Geschlossenen, singhalesisch-sprachigen Wochenzeitung Mawbima, verübt. Bereits im Juni 2007 war Alles für zwei Wochen festgenommen worden, nachdem Präsident Rajapaksa und sein Bruder, Verteidigungsminister Gotabaya Rajapaksa, dem Journalisten vorgeworfen hatten, ein Sprecher der Tamil Tigers zu sein. Die Zeitung Mawbima, die damals zu den wenigen kritischen Publikationen des Landes gehörte, musste aufgrund wirtschaftlichen Drucks ihren Betrieb einstellen.

 

Schließlich berichtete ein Zeitungsjournalist in der nördlichen Stadt Jaffna gegenüber ROG, dass sich der Druck auf Medien dort erhöht habe, insbesondere von Seiten der Unterstützer des Präsidenten. Regierungsmitglied Dougla Devananda berichtete bei einem politischem Treffen, dass ganz Jaffna unter seiner Kontrolle sei, "abgesehen von Uthayan", einer tamilischen Zeitung, die in der Vergangenheit wiederholt das Ziel von Gewalt war.

Pressekontakt:

Ingrid Holzmayer
Tel.: 030 202 15 10 - 15

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25.01.2010

ROG in Sorge um verschwundenen Reporter im Vorfeld der Präsidentschaftswahl

Reporter ohne Grenzen
(ROG) ruft die Sicherheitsbehörden in Sri Lanka dazu auf, mehr Personal für die Suche nach dem am Abend des 24. Januar verschwundenen Journalisten Prageeth Eknaligoda einzusetzen. Ein hochrangiger Polizeibeamter sagte gegenüber ROG, dem Fall des in der Hauptstadt Colombo vermissten Reporters könne aufgrund der anstehenden Präsidentschaftswahl keine Priorität eingeräumt werden.

Eknaligoda, der politische Berichte für die Website Lankaenews und für die Zeitung Sirata schreibt, hatte sein Büro am Sonntag um neun Uhr abends verlassen, war jedoch nicht zu Hause angekommen. In den Tagen vor seinem Verschwinden hatte der Journalist einem Freund erzählt, er fühle sich verfolgt.

„Angesichts der derzeitigen politischen Spannungen ist es äußerst besorgniserregend, dass in der Hauptstadt ein Journalist verschwindet, der für seine kritische Haltung gegenüber der Regierung bekannt ist“, so ROG. „Vor dem Hintergrund von Gerüchten über vorsätzliche Gewalt gegen Journalisten erwarten wir eine sofortige Reaktion der Behörden, um Eknaligodas Verschwinden umgehend aufzuklären.“

Ein Kollege des Journalisten berichtete gegenüber ROG, dass Eknaligoda wegen seiner politischen Analysen bedroht worden war: „Vergangene Woche schrieb er für die Website Lankaenews eine ausführliche vergleichende Analyse der beiden Hauptanwärter auf die Präsidentschaft. Er ergriff Partei für die Opposition. Wir befürchten, dass sein Verschwinden mit diesem Artikel zu tun hat.“ Eknaligoda, der in Sri Lanka auch als Karikaturist bekannt ist, war bereits am 3. August 2009 für einige Stunden entführt worden.
 
Sein jetziges Verschwinden ereignete sich nur einen Tag nachdem der führende Oppositionskandidat, General Sarath Fonseka, die Regierung beschuldigt hatte, Gewaltakte zu planen, um Wähler einzuschüchtern.

In den vergangenen Jahren wurden auf Sri Lanka bereits mehrere Journalisten entführt. Poddala Jayantha, Generalsekretär der Sri Lanka Working Journalists Association, wurde im vergangenen Jahr in Colombo entführt, gefoltert und am Straßenrand liegen gelassen. Nadarajah Kuruparan, Redakteur bei Radio Sooriyan, befand sich im August 2006 für 20 Stunden in der Gewalt von Entführern. Dharmeratnam "Taraki“ Sivaram, Redakteur des Sri Lankan Daily Mirror und der Website Tamilnet, wurde im April 2005 entführt und getötet.

Pressekontakt:
Ingrid Holzmayer
Tel.: 030 202 15 10 - 15


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