Asien
Militärherrschaft gegen Freiheitsrechte
In Thailand (135.) und auf den Fidschi-Inseln (107) haben Militärputsche, die angeblich die Demokratie wiederherstellen sollten, die Lage der Nachrichtenmedien verschlechtert. Die Medien in Bangkok sind zwar relativ frei, aber das Militär hat die Gründung eines Fernsehsenders durch Anhänger des abgesetzten Ministerpräsidenten verhindert. Mehrere Chefredakteure von Webseiten und Blogger wurden verhaftet.
In Fidschi herrschte mehrere Wochen lang ein gespanntes Verhältnis zwischen Armee und Medien; ein ausländischer Reporter wurde ausgewiesen. Seitdem richtet sich der Druck vor allem gegen kritische Stimmen im Internet.
Pakistan steht in der Rangliste nach wie vor weit unten (152.). Die Macht konzentriert sich bei der Armee unter Führung von General Pervez Musharraf. Die privaten Fernsehsender können nicht mehr frei arbeiten. Dutzende Journalisten wurden verprügelt und festgenommen während der politischen Krise, die Musharraf mit der illegalen Entlassung des Vorsitzenden des Obersten Gerichts ausgelöst hatte.
Unerwartete Verbesserungen
Kambodscha (85.) ist in der Rangliste um einige Plätze nach oben geklettert. Die Regierung hatte entschieden, die Kriminalisierung von pressrechtlichen Verstößen aufzuheben. Journalisten wandern nicht mehr ins Gefängnis. Doch gab es weiterhin Morddrohungen, insbesondere wenn Journalisten über Korruptionsfälle berichteten.
Auf den Philippinen (128.) wurden weniger Mordfälle registriert als letztes Jahr. Auch haben die Mitarbeiter der Präsidentin Gloria Arroyo nicht mehr so viele Verleumdungsklagen gegen Journalisten und Medien angestrengt.
Afrika
Politische Spannungen
In Äthiopien (150.) hat sich die dramatische Lage leicht entspannt. Zusammen mit führenden Vertretern der Oppositionspartei kamen auch die mit ihnen angeklagten Journalisten frei, die im November 2005 verhaftet worden waren. Äthiopien steht nun nicht mehr ganz am Ende der Rangliste. Doch sind immer noch schwerwiegende Verstöße gegen die Pressefreiheit zu verzeichnen: Journalisten werden verhaftet, es herrscht Selbstzensur, über das Schicksal der Gefangenen ist nichts bekannt. Auch nicht über das zweier Journalisten aus Eritrea, die beim Einmarsch äthiopischer Truppen in Somalia im Januar 2007 festgenommen wurden.
In der Demokratischen Republik Kongo wurden auch im vergangenen Jahr Journalisten ermordet. Der Mörder des Journalisten Serge Maheshe von Radio Okapi ist im Juni 2007 ohne gerechte Strafe davongekommen – bezeichnend für die Straflosigkeit in dem Land und für die Verachtung der Regierung gegenüber den Medien. So ist das Land noch immer weit unten auf der Rangliste.
Die 87. Stelle, auf die es Niger in diesem Jahr geschafft hat, lässt noch nicht den gewaltigen Rückschritt erkennen, den das Land nach dem 1. September (Stichtag für die Aufstellung der Rangliste 2007) gemacht hat. Moussa Kaka, Korrespondent von Radio France International und ROG-Korrespondent in Niger, wurde am 20. September verhaftet. Ihm steht ein Prozess bevor, der mit der Todesstrafe enden kann. Vorgeworfen wird ihm wegen kritischer Berichte über Machenschaften der Regierung „Verschwörung gegen den Staat“. Damit nähert sich Niger, ein Land mit ohnehin schon beträchtlichen Problemen, den autoritären Regimen an, die in der Rangliste die untersten Plätze belegen.
Amerikanischer Kontinent
Obwohl Raúl Castro in Kuba (165.) schon eineinhalb Jahre an der Macht ist, hatte der Wechsel noch keinerlei positive Folgen für die Situation der Menschenrechte. Kuba ist immer noch das zweitgrößte Gefängnis für Journalisten weltweit (nach China). 24 Journalisten sitzen derzeit unter sehr harten Bedingungen im Gefängnis.
Gewalt und Zensur auf den amerikanischen Subkontinenten
In Kolumbien (126.) wurde im Berichtszeitraum kein Journalist ermordet – eine Neuheit seit der Erstellung der Rangliste. Dennoch sind die Medien nach wie vor Repressalien und Belästigungen seitens bewaffneter Gruppen und paramilitärischer Einheiten ausgesetzt. In Brasilien (84.) und Argentinien (82.) gab es Drohungen und Gewalt gegenüber Journalisten, in Peru (117.) wurden fast 100 Journalisten physisch angegriffen und viele weitere bedroht.
Mexiko ist nach wie vor das für Medienarbeiter gefährlichste Land auf dem Kontinent. Hier wurden acht Journalisten getötet. In keinem dieser Fälle haben Polizei und Justizbehörden die Verantwortlichen identifiziert, die Taten sind bislang ungeahndet.
In Venezuela (114.) hat Präsident Hugo Chávez dem Fernsehsender RCTV die Lizenz für terrestrische Frequenzen entzogen. Das sogar von etlichen Anhängern des Präsidenten kritisierte Vorgehen deutet an, welches Maß an Kontrolle die Regierung für den Rundfunk- und Fernsehbereich anstrebt.
Naher und Mittlerer Osten
Status quo im Iran - Gewalt im Irak
Im Iran (166.) setzen die Behörden ihren aggressiven Kurs gegenüber Journalisten fort. Sie dulden weder Kritik noch politische oder soziale Forderungen. Iran bleibt das größte Gefängnis für Journalisten in der Region (derzeit neun Inhaftierte). Viele Journalisten werden wegen ihrer Berichte über Korruptionsfälle oder Steinigungen und wegen ihrer Arbeit für ausländische Medien mit absurden Anklagen konfrontiert.
Im Irak (157.) geht die größte Gefahr von bewaffneten Gruppen aus. Die irakische Regierung ist außerstande, die endlose Gewaltspirale zu stoppen. Seit März 2003, also seit Beginn der Invasion unter Führung der USA, wurden im Irak mehr als 200 Journalisten und Medienmitarbeiter getötet.
Enttäuschende Entwicklung in den Maghreb-Ländern
Für die Länder Nordafrikas fällt die Bilanz gemischt aus. Den kaum merklichen Fortschritten in Algerien (123.) und Tunesien (145.) stehen beunruhigende Rückschritte in Marokko (106) und Ägypten (146.) gegenüber. In beiden Ländern geht dies auf die hohe Zahl von Strafverfahren gegen die Presse zurück. In Ägypten hat die Berichterstattung über polizeiliche Übergriffe, den Einsatz von Foltermethoden bei Verhören und die fehlende Unabhängigkeit der Justiz die Regierung dazu gebracht, unabhängige Journalisten noch stärker unter Druck zu setzen. Trotz aller Repressalien kritisieren die Medien die Aussicht, dass Gamal Mubarak seinem Vater in das Amt des nächsten Präsidenten folgen könnte.
In Marokko wurden einzelne Zeitungsausgaben beschlagnahmt und verschiedene Medien zeitweise verboten. Journalisten und Herausgeber wurden verhört und zu harten Gefängnisstrafen verurteilt. Journalisten stehen so den Reformversprechen der Regierung mittlerweile äußerst misstrauisch gegenüber.
Neue journalistische Spielräume in den Golfstaaten
In einigen Ländern der Golfregion gibt es Fortschritte zu verzeichnen, etwa in Kuwait (63.), in den Vereinigten Arabischen Emiraten (65.) und in Katar (79.). Hier zeigen die staatlichen Behörden eine Tendenz zu größerer Offenheit; in einigen Fällen gibt es sogar Initiativen in Richtung einer Liberalisierung der Pressegesetze. Allerdings ist die Selbstzensur der Medien in diesen Ländern nach wie vor weit verbreitet.
Saudi-Arabien ist der 148. Stelle und gehört damit nicht mehr zu den untersten 20 Ländern. Der Druck auf die saudischen Journalisten hat im letzten Jahr etwas nachgelassen, doch noch immer kontrolliert das Überwachungskomitee des Informationsministeriums die Medien strikt.



"TATORTE" heißt der Band 2009. Mit Bildern von 10 Fotograf/innen, u.a. Benoit Aquin, Paolo Pellegrin, Taryn Simon.
