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Ohne Pressefreiheit bleiben Opfer unsichtbar
 
ROG-Preis 2007

Journalist: Seyoum Tsehaye - Eritrea

Seyoum Tsehaye begann seine journalistische Karriere in den Bergen Eritreas gemeinsam mit den Separatisten der Guerilla-Bewegung, der „Eritreischen Volksbefreiungsfront“. Der heute 54-Jährige war Kämpfer, Fotograf und Filmemacher und dokumentierte während der Jahre des Konflikts mit Äthiopien (1961 – 1991) den Kampf des „kleinen Mannes“ gegen den äthiopischen Diktator Mengistu. Nach der Unabhängigkeit Eritreas (1991) wurde er zum Leiter des staatlichen Rundfunks berufen – kein Grund für ihn, sein kritisches Denken aufzugeben. Bekannt für seine offene, direkte Art und seinen starken Charakter, gaben ihm seine Freunde den Spitznamen „Robbespierre“.

Doch seine demokratischen Ansprüche und sein Status als Veteran ließen ihn zunehmend in Konflikt geraten mit der Regierung unter Issaias Afeworki, seinem ehemaligen Waffenbruder, der sich auf dem Weg zum Diktator befand.

So kündigte Tsehaye seinen Posten beim staatlichen Rundfunk und kehrte zu seiner Leidenschaft, der Fotografie, zurück. Er begann für eine mutige private Presse zu arbeiten, die sich nach dem zweiten Krieg mit Äthiopien (1998-2000) für Demokratie einsetzte. Tsehaye publizierte Essays und stand zu seiner Unabhängigkeit. „Er ist ein Demokrat umringt von Wölfen“, sagte einer seiner Freunde.
Als Issaias Afeworki am 18. September 2001 alle privaten Medien im Land schließen und in den Tagen darauf Hunderte Oppositionelle sowie unabhängige Journalisten festnehmen ließ, ist auch Seyoum Tsehaye darunter: Am 21. September 2001 wird er auf offener Straße verhaftet. Wo er gefangen gehalten wird, ist nicht bekannt. Weder seine Familie noch Rechtsanwälte durften ihn bislang besuchen. Eine Anklage oder ein Verfahren gegen ihn gibt es bisher nicht.

Medium: Democratic Voice of Burma – Birma/Norwegen

Einige pro-demokratische Studenten, die das Massaker von 1988 in Birma überlebten, haben 1992 den Sender “Democratic Voice of Burma” (DVB) gegründet. Als im September dieses Jahres die Menschen in Birma wieder für Demokratie auf die Straße gingen und auch diese Demonstrationen brutal aufgelöst wurden, lieferte der in Norwegen ansässige DVB die Bilder, die um die Welt gingen. Mit einem Netzwerk unabhängiger Journalisten im Untergrund provozierte der Fernseh- und Hörfunkkanal die Militärregierung – denn sie ist es gewohnt, Nachrichten in und aus dem Land strengstens zu kontrollieren. Die Informanten des Senders in Birma sowie seine Korrespondenten in Thailand sind regelmäßiger Schikane durch den birmesischen Geheimdienst bzw. die thailändische Polizei ausgesetzt.

Trotz drohender Bußgelder haben viele Birmesen in ihrem Bedürfnis nach unabhängigen Nachrichten Satellitenschüsseln erworben, um DVB-TV empfangen zu können. Denn das Programm ist eine der wenigen unzensierten Informationsquellen im Land.
Der Sender wurde im Laufe der Jahre immer professioneller, stets mit dem Ziel vor Augen, Demokratie nach Birma zu bringen. DVB-Radio sendet drei Stunden täglich in birmesisch sowie in sieben weiteren Sprachen ethnischer Minderheiten des Landes.

Organisation: Journalistic Freedom Observatory - Irak

Die Nichtregierungsorganisation Journalistic Freedom Observatory, 2004 gegründet, beobachtet und dokumentiert Verletzungen der Pressefreiheit und Übergriffe auf Journalisten im Irak. Außerdem bietet sie Journalistinnen und Journalisten rechtliche und finanzielle Unterstützung an.

JFO gründete sich, nachdem zahlreiche Journalisten von irakische Sicherheitskräften eingesperrt und misshandelt worden waren. Die Gründungsmitglieder des JFO selbst hatten größtenteils unter polizeilicher Gewalt gelitten. Sie beschlossen, sich zusammenzuschließen, um inhaftierten Journalisten zu helfen. Zu der Zeit waren Journalisten im Irak noch nicht wie heute im Visier bewaffneter Gruppen (allein in diesem Jahr sind schon 46 Journalistinnen und Journalisten im Irak ermordet worden).

Der JFO ist heute eine der verlässlichsten Quellen, wenn es um die Lage der Pressefreiheit im Irak geht. Ein Netzwerk von 40 freiwilligen Mitarbeitern beobachtet das gesamte Land. Sie setzen sich täglich großen Gefahren aus, nicht nur um die Bedrohungen durch bewaffnete Extremisten aufzudecken, sondern auch, um die Untätigkeit der irakischen Behörden angesichts der weiter zunehmenden Morde an Journalisten im Irak anzuprangern.
JFO arbeitet weltweit mit Partnerorganisationen zusammen, so auch mit Reporter ohne Grenzen.

Internetdissident: Kareem Amer – Ägypten

„Ein Jahr ist vorbei und noch immer bin ich meiner Freiheit beraubt. Diese schmerzliche Erfahrung hat mich gelehrt, dass kein Gefühl vergleichbar ist mit dem der Ungerechtigkeit.“

Dies schrieb der Blogger Kareem Amer (23) aus seiner Gefängniszelle im September 2007. Abdel Kareem Nabil Suleiman, so sein bürgerlicher Name, war im Februar dieses Jahres zu vier Jahren Gefängnis verurteilt worden. Sein Vergehen: In seinem Blog hatte er den Machtmissbrauch von Präsident Hosni Mubarak thematisiert und die islamische Leitung der Al-Azhar-Universität, an der er Student war, kritisiert. Kareem Amer legte offen, wie Mubarak Druck auf religiöse Persönlichkeiten ausübte, damit sie ihn unterstützen und er hinterfragte die Trennung von Frauen und Männern an seiner Universität. Eine Anklage wegen „Anstiftung zum Hass gegen den Islam“ und „Beleidigung der Staatsmacht“ in Ägypten folgenlos zu überstehen ist selten, denn die Justiz ist nicht gerade bekannt für ihre Unabhängigkeit.

Schwer lastet auf Kareem Amer auch, dass seine Eltern ihn, möglicherweise unter massivem Druck, während des Verfahrens öffentlich verleugneten und die Todesstrafe für ihn forderten.
„Feinde der Freiheit, Symbole der Unterdrückung (...), wisst, dass Eure Tage schon gezählt sind. Die Dämmerung zukünftiger Generationen ist bereits im Kommen. Morgen gehört uns”, schreibt der Blogger in seinem Brief aus dem Gefängnis weiter, nachzulesen auf der Seite www.freekareem.org.

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12. März 2010: "Welttag gegen Internetzensur"

Termine

 

26. März 2010
"Zur Lage der iranischen Journalisten in der Türkei" - Infoveranstaltung Universität Hamburg.

19. April 2010
„Von der Freiheit, die ich meine.“ - Dialog zum Internationalen Tag der Pressefreiheit. Landesvertretung NRW in Berlin.

April 2010
Verleihstart für die DVD "La Vida Loca" von Christian Poveda.

 

 
 

 

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"TATORTE" heißt der Band 2009. Mit Bildern von 10 Fotograf/innen, u.a. Benoit Aquin, Paolo Pellegrin, Taryn Simon. 

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