Wechsel in der Geschäftstelle

Seit dem 1. Dezember 2010 arbeitet Jens-Uwe Thomas als Referent für Flüchtlingsarbeit und Nothilfe bei der deutschen Sektion von Reporter ohne Grenzen. Er ist der Nachfolger von Alexandra Tryjanowski, bei der wir uns für die gelungene Zusammenarbeit bedanken. Hier stellt er sich kurz vor:
Ich bin von Haus aus Politikwissenschaftler und habe zuvor elf Jahre in der Geschäftsstelle des Berliner Flüchtlingsrates als Koordinator und Sprecher gearbeitet. Zuständig war ich dabei für die Vernetzung der in der Flüchtlingshilfe in Berlin engagierten Initiativen und Einzelpersonen sowie für die Öffentlichkeitsarbeit. Die dadurch gewonnenen Kontakte möchte ich gern nutzbringend in meine jetzige Tätigkeit bei Reporter ohne Grenzen einbringen.
Das Referat „Hilfe für Journalisten in Not“ wurde bisher von Alexandra Tryjanowski repräsentiert, die eine wichtige Aufbauarbeit geleistet hat. Mit ihrer Unterstützung hoffe ich, mich schnell einarbeiten zu können, um ein kompetenter Ansprechpartner für verfolgte und gefährdete Medienschaffende und deren Unterstützer/innen in Deutschland und im Ausland zu sein. In Zusammenarbeit mit dem internationalen Sekretariat von Reporter ohne Grenzen in Paris möchte ich dazu beitragen, dass wir in der Lage sind, auf Hilfsanfragen von Flüchtlingen schnell zu reagieren und zeitnah effektive Unterstützung leisten zu können.
In Absprache mit dem „Assistance Desk" in Paris liegt der Schwerpunkt der Arbeit weiterhin auf der Unterstützung von Medienschaffenden aus den Ländern der GUS und Osteuropa. Dabei kann ich auf meine Erfahrungen als Berater für Flüchtlinge aus dieser Region aufbauen.
Gerne stehe ich Ihnen für weitere Fragen telefonisch oder per E-Mail zur Verfügung.
Jens-Uwe Thomas
Migrationsrecht, Flüchtlingsarbeit und Nothilfe
Brückenstraße 4
10179 Berlin
T: 030 202 15 10 - 13 ![]()
Newsticker
Iran: Im Oktober wurden zwei deutsche Journalisten in der nordiranischen Stadt Täbris festgenommen, nachdem sie den Sohn der inhaftierten Iranerin Sakineh Mohammadi Aschtiani interviewt hatten. Die iranische Regierung wirft ihnen Visa-Vergehen und illegale Arbeit vor. Der Sohn von Aschtiani und ihr Anwalt wurden ebenfalls festgenommen.
Gemeinsam mit sechs weiteren Journalisten- und Medienorganisationen planen wir deswegen eine Anzeigenkampagne zur Freilassung der Journalisten. Ein genauer Starttermin stand zu Redaktionsschluss noch nicht fest.
ROG fordert außerdem die sofortige und bedingungslose Freilassung des Sohnes von Sakineh Mohammadi Aschtiani und von deren Anwalt.
Hamburg: Der diesjährige Relaunch unserer Fotobandserie „Fotos für die Pressefreiheit“ hat sich gelohnt! Für unseren neuen Band 2010 wurden wir am 30. November in Hamburg mit dem kress Award „Relaunch des Jahres“ geehrt. Die Jury aus 23 Profis der Medien- und Kommunikationswirtschaft lobte den im vergangenen Mai veröffentlichten Fotoband als „ästhetisches Lesemagazin, das auch typografisch sehr gut gelungen ist“. Unter den Einreichungen habe das ROG-Fotobuch den größten Sprung gegenüber dem vorherigen Produkt gemacht. „Heraus kam ein deutlich moderneres Buch, das dennoch in der Tradition der 15 vorherigen Jahre steht“, so die Jury weiter.
Philippinen: Am diesjährigen 23. November erinnerten wir an einen äußerst bestürzenden Vorfall in der Geschichte der Pressefreiheit: An diesem Tag ereignete sich im Jahr 2009 das größte bisher von uns dokumentierte Massaker an Journalisten. 32 Reporter und 25 weitere Personen wurden damals in der philippinischen Provinz Maguindanao auf der Südinsel Mindanao bei einem gezielten Angriff auf einen Konvoi getötet. Mit einem Video rufen wir zum Gedenken an die Opfer auf:
Pressemitteilung, Erinnerung ein Jahr nach Maguindanao-Massaker, 22.11.2010
Aserbaidschan: Mit großer Freude haben wir die Nachricht der Freilassung der beiden aserbaidschanischen Blogger Adnan Hajisade und Emin Milli am 18. und 19. November 2010 aufgenommen. Gleichzeitig kritisieren wir, dass beide Gefängnisstrafen nur zur Bewährung ausgesetzt wurden. Auch im Fall des aserbaidschanischen Journalisten Eynulla Fatullajew gibt es gute Neuigkeiten: Das Oberste Gericht Aserbaidschans in Baku hat die Haftstrafe des Reporters um mehr als zwei Jahre reduziert. Damit muss Fatullajew nicht wie ursprünglich entschieden bis 2015, sondern „nur“ bis Januar 2013 in Haft bleiben.
Pressemitteilung, Zwei Blogger nach mehr als 16 Monaten Haft freigelassen, 19.11.2010
Interview mit Lhamo Tso: „Für die tibetische Kultur hat er das Gefängnis in Kauf genommen“
Lhamo Tso ist die Frau des inhaftierten tibetischen Filmemachers Dhondup Wangchen. Fast drei Jahre hat sie ihren Ehemann nicht mehr gesehen. Seit dessen Festnahme auch nicht mehr mit ihm gesprochen. Das geschah im März 2008 – als ihr Mann inmitten heimlicher Dreharbeiten für seinen Film „Leaving fear behind" war. Darin dokumentiert der Amateurfilmer in mehr als 100 Interviews Aussagen von Tibetern zu den Olympischen Spielen in Peking 2008, der chinesischen Herrschaft und dem Dalai Lama. Im Dezember 2009 wurde Dhondup Wangchen deswegen von einem chinesischen Gericht zu sechs Jahren Haft verurteilt. Lhamo Tso lebt heute mit ihren Kindern im indischen Exil und kämpft für die Freilassung ihres Mannes. Susanna Bloß sprach für Reporter ohne Grenzen (ROG) mit ihr.
ROG: Ihr Mann sitzt seit mehr als zwei Jahren im Gefängnis. Haben Sie Kontakt zu ihm?
Lhamo Tso: Weder ich noch ein Anwalt haben Zugang zu ihm. Auch Telefonanrufe sind nicht möglich. Ich weiß nur, dass es ihm mittlerweile gesundheitlich sehr schlecht geht. Er ist an Hepatitis B erkrankt. Medikamente werden ihm jedoch verweigert. Stattdessen muss er in seinem schwachen Zustand täglich 17 bis 18 Stunden schwerste körperliche Arbeit verrichten. Auch soll er während seiner Vernehmungen in Haft gefoltert und misshandelt worden sein.
ROG: Was wird ihm denn vorgeworfen?
Lhamo Tso: Meinem Mann wurde vorgeworfen, dass er verbotenerweise „Staatsgeheimnisse ins Ausland gebracht hat". Das Gerichtsverfahren fand hinter verschlossenen Türen statt, auch ich durfte nicht anwesend sein. Seinen anwaltlichen Vertretern ist so lange mit Lizenzentzug gedroht worden, bis sie ihr Mandat selbst niederlegten. Somit hatte mein Mann nicht einmal eine rechtmäßige Verteidigung. Das Gericht verurteilte ihn zu sechs Jahren Haft. Ob er danach tatsächlich freikommt, ist ungewiss.
ROG: War sich Ihr Mann über eventuelle Konsequenzen im Klaren, als er mit dem Filmprojekt begann?
Lhamo Tso: Ihm war sehr wohl bewusst, in welche Gefahren er sich und seine Familie durch diesen Film bringen kann. Er hat damit gerechnet, dass er in Haft kommt oder sogar ermordet wird. Doch für sein Land und für die tibetische Kultur hat er das in Kauf genommen. Die Zustände in Tibet in die Außenwelt zu tragen, das war sein einziges Anliegen.
ROG: Sie leben im indischen Exil. Wie sieht Ihr Alltag dort aus?
Lhamo Tso: Ich wohne mit meinen Kindern und den Eltern meines Mannes in der nordindischen Stadt Dharamsala. Ich alleine verdiene den Lebensunterhalt für unsere achtköpfige Familie. Jeden Tag stehe ich um ein Uhr nachts auf und backe Brot, das ich anschließend ab halb sechs auf dem Markt verkaufe. Gegen Nachmittag komme ich nach Hause, versorge die Kinder, mache den Haushalt und beginne den Teig für den nächsten Tag vorzubereiten.
ROG: Ihr Mann sitzt im Gefängnis, Sie leben im Exil - und das alles für 25 Minuten Film...
Lhamo Tso: Das Leben ist für uns sehr hart, das stimmt. Und natürlich vermisse ich meinen Mann. Aber ich stehe in allen Belangen voll und ganz hinter ihm. Ich bin sehr stolz auf ihn. Im Grunde genommen hat mein Mann nur das getan, was in anderen Ländern ein selbstverständliches Recht ist. Er hat seine Meinung frei geäußert und muss dafür nun sechs Jahre seines Lebens im Gefängnis verbringen.
Im Herbst 2010 reiste Lhamo Tso nach Europa, um internationale Unterstützung für die Freilassung ihres Ehemannes zu mobilisieren. In Paris und Berlin traf sie auch mit Vertretern von Reporter ohne Grenzen zusammen.
Sehen Sie hier ein ROG-Video mit einem internationalen Hilfsappell von Lhamo Tso.
Die arabische Bloggerszene: Rasanter Aufstieg mit Rückschlägen

- Blogger Kareem Amer nach seiner Freilassung (oben); Blogger in Saudi-Arabien (unten). © AP
An ihm wollte die ägyptische Regierung ein Exempel statuieren und andere Internetnutzer abschrecken. Mehr als vier Jahre brachte sie den Blogger Kareem Amer hinter Gittern, weil er die Zensurvorschriften der Regierung ignorierte. Der Internetaktivist kritisierte in seinem Blog den politischen Kurs unter Präsident Mubarak, schrieb für Säkularisation, Meinungsfreiheit und Frauenrechte. Für die Behörden war er eine Zumutung: Jemand, der das Meinungsmonopol des Staates in Frage stellte. Für einen Teil der arabischen Bloggergemeinde wurde Amer hingegen zum Vorbild.
Nur wenige Online-Szenen haben sich in den vergangenen Jahren so rasant entwickelt wie die arabische. Neben dem kontinuierlichen Ausbau der technischen Infrastruktur spielt hierbei vor allem der demografische Faktor eine Rolle: In vielen arabischsprachigen Ländern beläuft sich der Anteil der Bevölkerung unter 25 Jahren auf mehr als 50 Prozent. Für viele aus dieser nachwachsenden Generation sind die Neuen Medien ein selbstverständlicher Teil des Alltags.
Nach einer Studie des Arabic Network for Human Rights (ANHRI) gibt es im arabischen Raum über 600.000 Blogs. Die aktivste Bloggergemeinde findet sich in Ägypten, gefolgt von Saudi-Arabien, Kuwait und Marokko. Die in Dubai ansässige Kommunikationsagentur Spot On Public Relations zählt mittlerweile mindestens 15 Millionen Facebook-Mitglieder aus der arabischen Welt (Erhebung von Mai 2010). Eine beeindruckende Zahl, setzt man sie ins Verhältnis zur Auflage von nur etwa 14 Millionen Zeitungen, die auf Arabisch, Englisch und Französisch in dem Raum erscheinen.
Sicherlich haben die meisten Blogs in arabischen Ländern keine politischen oder gesellschaftskritischen Inhalte und einige sind noch nicht einmal unbedingt liberalen oder menschenrechtlichen Grundprinzipien verpflichtet.
Dennoch hat sich deutlich erkennbar in den vergangenen fünf Jahren in einem Teil der Blogosphäre ein Trend zum politischen „Bürgerjournalismus“ herausgebildet. Vor allem in Staaten mit autoritären Regierungen wie Ägypten, Syrien oder Saudi-Arabien nehmen einige Blogs die Rolle ein, die in demokratischen Systemen immer noch vor allem den klassischen Medien zukommt: Die Cyber-Autoren sprechen Tabuthemen oder Missstände an und veröffentlichten brisante Dokumente, Bilder und Videos – Informationen, die in den konventionellen, häufig stark von Behörden kontrollierten und reglementierten Medien gar nicht oder selten vorkommen.
Die virtuellen Aktivitäten haben mitunter deutliche Auswirkungen in der Realität, wie Beispiele aus Ägypten zeigen: Der Blogger Wael Abbas stellte im Jahr 2007 erstmals Filmaufnahmen ins Netz, die folternde Polizisten zeigen. Empörung und Wut machten sich daraufhin bei Millionen von Ägyptern in kürzester Zeit breit. Schließlich wurden die beiden verantwortlichen Polizeibeamten zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.
Zeitweise entwickelte sich das Internet zu einem wichtigen Kommunikationsmittel für Straßenproteste: In Ägypten wurden im Jahr 2008 mehr als 1.000 Streiks für soziale Veränderung und gegen politische Repression organisiert – die Protestbotschaft wurde häufig online verbreitet. "Das Internet gibt uns die Chance, den Weg zur Demokratie voranzutreiben", sagt Ehab El-Selaki, Redaktionsleiter des Online-Portals der ägyptischen Tageszeitung Al-Masri Al-Jum und Experte für arabische Blogs. „Es bietet die Chance, Menschen, die sich sonst politisch nicht engagieren, zu aktivieren“.
Dennoch wird das politische Potential von Cyber-Aktivitäten unterschiedlich bewertet. Online-Informationen und -Proteste sind für einen nachhaltigen sozio-politischen Wandel in Ländern mit repressiven Führungen nicht ausreichend. Ohne Demokratisierung der Institutionen, einer Justizreform sowie Meinungs- und Pressefreiheit werden auch Blogger keinen Wandel bewirken können, sagt beispielweise der marokkanische Blogger Mohammed Sahli.
In der Tat müssen viele mutige arabische Cyberaktivisten Rückschläge hinnehmen: Sie geraten ins Visier der Behörden, werden überwacht, juristisch verfolgt oder inhaftiert. Dazu kommt eine starke Online-Zensur. Unter den zwölf Feinden des Internets, die ROG aktuell zählt, sind mit Ägypten, Saudi-Arabien, Syrien und Tunesien derzeit vier arabische Staaten vertreten.
Blogger Kareem Amer hat die menschenunwürdigen Bedingungen in der Zeit seiner Haft überlebt: Am 15. November wurde er freigelassen – nach Isolationshaft und Folter gesundheitlich schwer angeschlagen. Die Hoffnung, dass die Entlassung des Dissidenten ein Startpunkt für ein entspannteres Verhältnis der Regierung zur Internetgemeinde des Landes sein könnte, hat sich ein weiteres Mal schnell verflüchtigt. Repressionen gegen Blogger und andere Medienschaffende zogen vor und nach der Parlamentswahl am 28. November 2010 in dem nordostafrikanischen Land vielmehr wieder an.
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4 - Bildbände NAHTSTELLEN (u. a. mit Boris Mikhailov, Robert Polidori), TATORTE, (u. a. mit Benoit Aquin, Yann Arthus-Bertrand) und „Fotos für die Pressefreiheit 2010“ (u. a. mit Guillaume Herbaut, Alixandra Fazzina)
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Übrigens, unsere Bildbände finden nicht nur wir gut:
ROG wurde am 30.11.2010 der kress Award für den „Relaunch des Jahres“ verliehen, mehr dazu hier.
„Erschreckend und eindrucksvoll“
DIE ZEIT ONLINE, 12.5.2009
„Die Publikation versammelt ... höchst qualitätsvolle Positionen der Reportagefotografie.“
photoscala.de, 1.9.2008
„Verblüffende Fotos“
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 3.5.2008















