Inhaftierte in Ägypten | Reporter ohne Grenzen für Informationsfreiheit

Inhaftierte in Ägypten

 

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier reist am 2. Februar 2019 mit einer Wirtschaftsdelegation nach Ägypten. Neben Gesprächen mit Fachministern steht auch ein Treffen mit dem ägyptischen Präsidenten auf dem Programm. Als Symbol für die katastrophalen Bedingungen für Pressefreiheit im Land veröffentlicht Reporter ohne Grenzen anlässlich der Reise zehn Porträts von Inhaftierten Journalisten. Sie alle wurden verhaftet, seit General Abdel Fatah el-Sisi 2013 die Macht übernommen hat.

Derzeit sind mindestens 32 ägyptische Journalistinnen und Journalisten in Ägypten inhaftiert. Die meisten von ihnen sitzen in Untersuchungshaft (oftmals deutlich länger als gesetzlich erlaubt) und wissen zumeist nicht genau, was ihnen vorgeworfen wird. Vier von ihnen wurden in intransparenten Prozessen von Militärgerichten verurteilt. Ägypten steht auf der Rangliste der Pressefreiheit auf Platz 161 von 180 Staaten.

Die ägyptischen Behörden betrachten kritischen Journalismus eine ernsthafte Bedrohung für die Staatssicherheit. Die meisten der inhaftierten Journalistinnen und Journalisten arbeiteten für oppositionelle Medien, die inzwischen verboten sind, oder berichteten über sensible Themen.

Das war zum Beispiel der Fall bei dem bekannten Fotografen Shawkan: Er wurde verhaftet, als er über die gewaltsame Auflösung einer Sitzblockade von Anhängern der Muslimbruderschaft berichtete. Ismail Alexandrani, ein Journalist und Wissenschaftler, berichtete über Anti-Terror-Operationen auf der Sinai-Halbinsel. Der unabhängige Journalist Mohamed al-Husseini Hassan versuchte, eine Geschichte über die außer Kontrolle geratene Inflation Ägyptens zu schreiben. Moatas Wednan interviewte Hisham Genena, einen ehemaligen Anti-Korruptionsermittler, der Informationen gegen hohe Beamte in der Hand hatte.

Auch über die Willkür ihrer Inhaftierung hinaus sind diese Journalisten schrecklichen Bedingungen ausgesetzt und leiden unter mangelnder medizinischer Versorgung. Der Journalist und Menschenrechtsverteidiger Hisham Gafar benötigt eine dringende Operation, die über Monate immer wieder verschoben wurde. Die vielen Mängel des ägyptischen Gesundheitswesens werden in den desorganisierten Gefängnissen noch präsenter. Die Familien einiger Häftlinge haben sogar Selbstmordversuche gemeldet.

Die Verfolgung ägyptischer Journalistinnen und Journalisten hört nicht auf, wenn sie aus dem Gefängnis entlassen werden. Sie müssen sich in der Regel mindestens einmal und oft mehrmals pro Woche bei einer Polizeistation melden, dürfen das Land nicht verlassen und werden oft mit weiterer Strafverfolgung bedroht.

Die Porträts der zehn symbolischen Fälle:

 

Mahmud Abu Seid, auch bekannt als Shawkan, Fotojournalist

 

 

Omar Mohamed Ali, Fotograf und Videojournalist

 

 

Ismail Alexandrani, Journalist und Wissenschaftler, spezialisiert auf dschihadistische Gruppen auf der Sinai-Halbinsel

 

 

Mahmud Hussein Goma, Journalist für Al-Dschasira (in Ägypten verboten)

 

 

Hischam Gafar, Journalist und Menschenrechtsaktivist

 

 

 

Moatas Wednan, Journalist, unter anderem für The Huffington Post (in Ägypten verboten)

 

 

Mohamed Ibrahim Mohamed Radwan, auch bekannt als Mohamed Oxygen, Video-Blogger

 

 

Mohamed al-Husseini Hassan, Fotograf und Video-Journalist

 

 

Hassan al-Banna Mubarak, Journalist

 

 

Ahmed al-Sachawi, Fotograf und Videojournalist