Xinhua: Die größte Propaganda-Agentur der Welt | Reporter ohne Grenzen für Informationsfreiheit
China 30.09.2005

Xinhua: Die größte Propaganda-Agentur der Welt

 

Vor 56 Jahren wurde die Volksrepublik China gegründet. Aus diesem Anlass hat Reporter ohne Grenzen einen Bericht über die Propaganda-Agentur Xinhua veröffentlicht. Er untersucht, welche Rolle die Agentur im Propaganda- und Zensursystem der Kommunistischen Partei spielt.

Xinhua ist der Dreh- und Angelpunkt der chinesischen Medienkontrolle. Der Chef der Propaganda-Agentur hat den Status eines Ministers. Xinhua gilt bei ausländischen Medien zunehmend als verlässliche Quelle. Fast ein Drittel der Nachrichten über China in der Suchmaschine Google sind Meldungen von Xinhua.

Xinhua trägt ihren aktuellen Namen seit Januar 1937 und folgte der Nachrichtenagentur Red China, die von Mao Zedong gegründet wurde. Seit Oktober 1949 ist die staatliche Agentur vollständig der Kommunistischen Partei untergeordnet.

Der vorliegende Bericht enthält Aussagen von mehreren Journalisten, die für Xinhua arbeiten. Unter der Bedingung anonym zu bleiben, erklären diese Journalisten, wie die Propagandaabteilung der Kommunistischen Partei ihre tägliche Arbeit kontrolliert.

Mit der Hilfe eines ehemaligen französischen Journalisten von Xinhua deckt Reporter ohne Grenzen die Machenschaften der Propaganda-Agentur auf: die Entstellung von Fakten, Hasstiraden über Feinde (besonders USA und Japan) und Unterstützung der schlimmsten Regime der Welt – häufig, indem internationale Nachrichten entsprechend verändert werden.

Zwar gibt es eine gewisse wirtschaftliche Liberalisierung in Chinas Mediensektor; Xinhua aber bleibt die Stimme der einzigen Partei des Landes: Handverlesene Journalisten, die regelmäßig indoktriniert werden, produzieren Berichte für die chinesischen Medien, die die offizielle Meinung widerspiegeln – und andere Berichte, die als „interne Referenzen“ gekennzeichnet ausschließlich für die Führer des Landes bestimmt sind.

Nachdem Xinhua von internationalen Stimmen für fehlende Transparenz heftig kritisiert wurde – besonders in Bezug auf die Sars-Epidemie –, hat die Agentur innerhalb der letzten Monate Berichte herausgegeben, die die chinesische Regierung blamiert haben. Allerdings erschienen diese Nachrichten wohl nur, um die internationale Gemeinschaft in die Irre zu führen. Denn auf Chineschisch wurden sie nicht veröffentlicht.

Hier ist der gesamte Bericht zu lesen (pdf, ENglisch).

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