Kenias Medien in den Tumulten einer missratenen Wahl | Reporter ohne Grenzen für Informationsfreiheit
Kenia 06.03.2008

Kenias Medien in den Tumulten einer missratenen Wahl

Nach einer Razzia in den Redaktionsräumen einer Zeitung gab es schon 2006 einen Protestmarsch durch Nairobi. © dpa - Report

Gemeinsam mit „International Media Support“ und „Article 19“ hat Reporter ohne Grenzen die Lage der Medien in Kenia nach den Wahlen vom Dezember 2007 untersucht. Der Bericht erschien Anfang März und geht der Frage nach, weshalb die es den kenianischen Medien während der Unruhen schwer fiel, wahrheitsgemäß zu berichten.

Als nach der Wahl erste Stimmen laut wurden, die Kenias Regierung der Wahlfälschung beschuldigten, ließ diese zunächst eine Nachrichtensperre verhängen. Angeblich fürchtete sie eine ähnliche Situation wie 1994 in Ruanda. Damals führte die angespannte Stimmung zwischen zwei Ethnien zum Völkermord an den Tutsi.

Mit einer solchen Situation waren die kenianischen Journalisten überfordert. Nie zuvor hatten sie über eine politische Krise dieses Ausmaßes berichten müssen und war der Druck auf die Medien so groß. Aus Angst, die gewalttätige Stimmung im Land noch weiter anzuheizen, verfielen die Meisten der Selbstzensur. Statt über die gewaltsamen Ereignisse zu berichten und den Anschuldigungen des Wahlbetrugs nachzugehen, verstanden sie sich mehr als Friedensbotschafter und riefen in ihren Beiträgen einheitlich zu Harmonie und Besinnung auf.

Die drei Organisationen riefen die kenianische Regierung auf, den Medien mehr zu vertrauen, sie bei dem Ausbau ihrer Infrastruktur zu unterstützen und Journalisten besser in investigativer Recherche auszubilden. Außerdem sollten die Parteien die lokalen Radiosender nicht länger als politische Instrumente missbrauchen und analysieren wie eine derartige Eskalation hätte vermieden werden können.



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