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Mexiko

Rangliste der Pressefreiheit — Platz 143 von 180
Mexiko 04.09.2006

Dritter Angriff auf Zeitung in zehn Tagen

Miguel Menendez

Reporter ohne Grenzen ist besorgt über eine erneute Attacke gegen die Zeitung „Por Esto!“. Am 1. September wurde im Hauptsitz der Zeitung in Mérida eine Granate gezündet. Drei Mitarbeiter erlitten dabei Verletzungen. Am 23. August hatte es einen ähnlichen Granaten-Angriff auf die Niederlassung der Zeitung in Cancún gegeben und zwei Tage davor einen Anschlag mit einem Molotow-Cocktail gegen einen Journalisten der Zeitung.

„Diese Angriffe folgten unmittelbar auf Enthüllungen über organisierte Kriminalität in Ost-Mexiko, die „Por Esto!“ öffentlich gemacht hatte“, kommentierte Reporter ohne Grenzen. „Die lokale Tageszeitung ‚El Manana’ wurde am 6. Februar auf ähnliche Weise zur Zielscheibe.“

Mit 17 Morden seit dem Jahr 2000 ist Mexiko neben Kolumbien mittlerweile das gefährlichste Land für Medienleute auf dem amerikanischen Kontinent. ROG fordert rasche Untersuchungsergebnisse und besseren Schutz für Zeitungen und ihre Mitarbeiter. „Die Pressefreiheit in Mexiko ist ernsthaft in Gefahr“, so ROG. Auf der ROG-Rangliste zur weltweiten Lage der Pressefreiheit ist Mexiko auf Platz 135 (von 167).

Am 1. September seien zwei Personen in den Empfangsbereich von „Por Esto!“ in Mérida, der Hauptstadt des südöstlichen Bundeslands Yucatan, gegangen und hätten zwei Granaten geworfen, berichtete der stellvertretende Chefredakteur Miguel Menéndez. Eine sei explodiert und habe den Mitarbeiter Justo Pacheco Chacón verletzt. Er habe sein Gehör zum Teil verloren. Ebenfalls vor Ort gewesen seien Gaspar Cervera Uc und Fernando Patrón, die von umherfliegenden Bruchstücken getroffen, aber nicht ernsthaft verletzt wurden. Die andere Granate explodierte nicht und wurde entschärft.

Menéndez sagte, die Angreifer hätten gesehen, dass Angestellte vor Ort waren und deshalb gewusst, dass sie jemanden hätten töten können. Zum Glück sei es allen Mitarbeitern in der Lobby möglich gewesen, Schutz zu suchen. Dieser und die früheren Angriffe gegen die Mitarbeiter von „Por Esto!“ hätten wegen der Berichterstattung über organisierte Kriminalität stattgefunden. Es sei in den Artikeln etwa um Drogenhandel sowie die Verbindungen zwischen organisierter Kriminalität und den Behörden von Yucatan und der Landesregierung gegangen. Die Täter wurden bislang nicht gefasst.

Bei dem Granatenangriff auf das „Por Esto!“-Büro in Cancún am 23. August wurde niemand verletzt. Auch das Molotow-Cocktail, das am 21. August in Mérida auf das Auto des Journalisten Jaime Vargas geworfen wurde, verletzte niemanden.

Weitere Informationen:
Katrin Evers
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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