Einladung zum Pressegespräch: Kasachstan verbietet kritische Medien | Reporter ohne Grenzen für Informationsfreiheit
Kasachstan 08.04.2013

Einladung zum Pressegespräch: Kasachstan verbietet kritische Medien

Irina Petruschowa und Igor Winjawski © ODF

Die Führung im rohstoffreichen Kasachstan hat kürzlich die wichtigsten kritischen Medien geschlossen. Nach der brutalen Niederschlagung von Ölarbeiterstreiks Ende 2011 hatten sie die autoritäre Führung des Landes heftig kritisiert. Die ließ daraufhin Redaktionen durchsuchen und Computer beschlagnahmen, der Geheimdienst verfolgte Journalisten bis in ihre Wohnung. Reporter ohne Grenzen zählt den kasachischen Präsidenten Nursultan Nasarbajew zu den größten Feinden der Pressefreiheit weltweit. Wer über dessen Besitztümer oder Korruption in seinem Umfeld berichtet, kann im Gefängnis landen. Die wenigen Medien, die dennoch Kritik wagten, gibt es nicht mehr: Ende Dezember wurden die Zeitungen Wsgljad und Respublika sowie die Fernsehsender K + und Stan TV geschlossen. Dabei war Kasachstan erst wenige Wochen vorher als neues Mitglied in den UN-Menschenrechtsrat gewählt worden.

Reporter ohne Grenzen
und die Open Dialog Foundation laden die Chefredakteure der geschlossenen Zeitungen zum Pressegespräch über die Situation in Kasachstan ein:

Am Dienstag, 16. April 2013, von 11.00 bis 12.30 Uhr
bei Reporter ohne Grenzen, Brückenstr. 4, 10179 Berlin

IGOR WINJAWSKI
leitete seit 2007 die oppositionelle Wochenzeitung Wsgljad, bevor sie am 20. Dezember 2012 per Gerichtsbeschluss verboten wurde. 2012 saß Winjawski für zwei Monate im Gefängnis, weil er in seiner Zeitung angeblich zum gewaltsamen Sturz der Regierung aufgerufen habe. Reporter ohne Grenzen und das Europäische Parlament setzten sich für seine Freilassung ein. Bereits 2004 war eine Zeitung, die Winjawski im nordkasachischen Pawlodar herausgab, wegen Verleumdung verklagt und geschlossen worden. Im Juni 2011 wurde der Journalist an der Ausreise nach Brüssel gehindert, wo er an einer Konferenz über Korruption in Zentralasien teilnehmen sollte.

IRINA PETRUSCHOWA
gründete im Jahr 2000 die Wochenzeitung Respublika. Versuche, sie wegen ihrer regierungskritischen Artikel zu schließen, umging die Herausgeberin, indem sie die Zeitung unter anderem Namen immer wieder neu anmeldete. 2002 wurde die Redaktion massiv bedroht: Unbekannte hängten eine Hundeleiche an die Fassade des Gebäudes und steckten es wenig später in Brand. Petruschowa, die Morddrohungen erhalten hatte und wegen Steuerhinterziehung angeklagt wurde, floh nach Moskau. Von dort aus führte sie die Geschäfte der Zeitung, bis diese am 25. Dezember geschlossen wurde.

Das Gespräch findet teilweise auf Russisch statt und wird ins Deutsche übersetzt.

Bitte melden Sie sich unter rog@reporter-ohne-grenzen.de an.


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