Oppositioneller Journalist stirbt nach Fenstersturz | Reporter ohne Grenzen für Informationsfreiheit
Kirgistan 22.12.2009

Oppositioneller Journalist stirbt nach Fenstersturz

Nach dem Tod des kirgisischen Journalisten Gennadi Pawliuk fordert Reporter ohne Grenzen (ROG) eine rasche Aufklärung des Falls. Pawliuk war am 16. Dezember im benachbarten Kasachstan bewusstlos vor einem Gebäude im Finanzzentrum der Stadt Almaty gefunden worden. Am 22. Dezember starb Pawliuk an seinen Verletzungen.

Der Redakteur der Zeitung Bely Parus war an Händen und Füßen gefesselt aus dem sechsten Stock gestürzt. Der 40-Jährige war innerhalb einer Woche bereits der dritte kirgisische Journalist russischer Herkunft, der attackiert wurde.

„Zehn Tage nach der Übernahme der Präsidentschaft der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) können sich die kasachischen Behörden nicht erlauben, den Mord ungestraft zu lassen. Zur Aufklärung muss ebenfalls die kirgisische Seite beitragen“, fordert ROG. Für die Attentate auf Journalisten macht ROG die Polarisierung des politischen Lebens in Kirgistan verantwortlich.

„Die Versuche von Präsident Kurmanbek Bakijew, die politische Debatte durch Einschränkungen des Rechts auf freie Meinungsäußerung zu unterdrücken, tragen zur Radikalisierung oppositioneller Kräfte bei und verstärken bestehende Spannungen. Alle politischen Kräfte müssen sofort der Gewalt gegen Journalisten entsagen“, so ROG weiter.

Am 9. Dezember war bereits der politische Analyst Alexander Kniazew in der Hauptstadt Bischkek angegriffen worden, während Alexander Ewgrafow, Korrespondent für die russische Nachrichtenagentur BaltInfo, am 15. Dezember von uniformierten Polizisten eingeschüchtert worden war.

Nach den Attacken erhielten verschiedene kirgisische Medien eine E-Mail, deren unbekannte Verfasser die Verantwortung für die Taten übernahmen. Die Mail enthält außerdem Drohungen gegen Minderheiten, speziell gegen Russen und russisch-stämmige Kirgisen, die als Unterstützer des früheren Präsidenten Askar Akajew dargestellt werden.

Pawliuk selbst hatte sich kürzlich der Oppositionspartei Ata Meken angenähert und plante, eine Website und einen wöchentlichen Newsletter für die Partei zu erstellen.

Die ausführliche Pressemitteilung auf Englisch finden Sie hier.

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