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Palästinensische Gebiete

Rangliste der Pressefreiheit — Platz 132 von 180
Press Freedom Award 18.11.2021

Ehrung für Zhang Zhan, Majdoleen Hassona und „Pegasus-Projekt"

Die PFA-Preisträgerin Zhang Zhan im Jahr 2020. ©picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Uncredited
Die PFA-Preisträgerin Zhang Zhan im Jahr 2020. ©picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Uncredited

Die Press Freedom Awards 2021 von Reporter ohne Grenzen (RSF) gehen an die chinesische Journalistin Zhang Zhan (Kategorie Mut), das „Pegasus-Projekt“ (Kategorie Wirkung) und die palästinensische Journalistin Majdoleen Hassona (Kategorie Unabhängigkeit). Mit den Press Freedom Awards würdigt RSF seit 1992 jedes Jahr die Arbeit von Medienschaffenden und Medien, die einen bedeutenden Beitrag zur Verteidigung oder Förderung der Pressefreiheit geleistet haben. Nominiert waren vier Journalistinnen, zwei Journalisten und sechs Medien- beziehungsweise Journalistenorganisationen aus insgesamt 11 Ländern.

Preis für Mut
Der Preis für Mut 2021 wird an die chinesische Journalistin Zhang Zhan verliehen. Trotz ständiger Drohungen der Behörden berichtete Zhang, die ursprünglich als Anwältin gearbeitet hatte, im Februar 2020 über die Covid-19-Epidemie in der Stadt Wuhan. Sie zeigte in Livestreams in den sozialen Netzwerken die Verhältnisse in den Straßen und Krankenhäusern der Stadt sowie die Schikanen, denen die Familien von Erkrankten ausgesetzt waren. Ihre Berichterstattung aus dem Herzen des ersten Epizentrums der Pandemie war eine der wichtigsten unabhängigen Quellen zur Situation in der Region. Im Mai 2020 wurde Zhang Zhan festgenommen und mehrere Monate ohne Kontakt zur Außenwelt sowie ohne offizielle Angabe von Gründen festgehalten. Am 28. Dezember 2020 wurde Zhang Zhan zu vier Jahren Gefängnis verurteilt, weil sie „Streit angezettelt und Ärger provoziert“ haben soll. Um gegen diese Ungerechtigkeit und erlittene Misshandlungen zu protestieren, trat die Journalistin in einen Hungerstreik, was dazu führte, dass sie fixiert und durch eine Sonde zwangsernährt wurde. Ihre Angehörigen fürchten heute um ihr Leben, da sich ihr Gesundheitszustand in den letzten Wochen stark verschlechtert hat.

Mit dem Preis für Mut werden Medienschaffende, Medien oder NGOs gewürdigt, die bei der Ausübung, Verteidigung oder Förderung von Journalismus außerordentlichen Mut gezeigt haben.

Preis für Wirkung
Der Preis für Wirkung 2021 geht an das „Pegasus-Projekt“ – ein Rechercheprojekt eines internationalen Konsortiums von mehr als 80 Journalistinnen und Journalisten von 17 Medien* in elf verschiedenen Ländern, das von der NGO Forbidden Stories mit technischer Unterstützung des Security Lab von Amnesty International koordiniert wurde. Anhand eines Daten-Leaks von mehr als 50.000 Telefonnummern, die von der Spähsoftware Pegasus des israelischen Unternehmens NSO Group ins Visier genommen wurden, enthüllte das „Pegasus-Projekt“, dass fast 200 Medienschaffende von elf Regierungen – autokratischen wie demokratischen – ausspioniert wurden. Diese Recherche hat die Weltöffentlichkeit auf das Ausmaß der Überwachung aufmerksam gemacht, der Medienschaffende in vielen Ländern ausgesetzt sind. Zudem veranlasste sie zahlreiche Medien sowie RSF, Klagen einzureichen und erneut ein Moratorium für den Verkauf von Überwachungstechnologien zu fordern.

* (Aristegui Noticias, Daraj, Die Zeit, Direkt 36, Knack, Forbidden Stories, Haaretz, Le Monde, Organised Crime and Corruption Reporting Project (OCCRP), Proceso, PBS Frontline, Radio France, Le Soir, Süddeutsche Zeitung, The Guardian, The Washington Post und The Wire)

Mit dem Preis für Wirkung werden Medienschaffende, Medien oder NGOs gewürdigt, die zu greifbaren Verbesserungen der journalistischen Freiheit, Unabhängigkeit und Pluralität oder zu einem stärkeren Bewusstsein für diese Themen beigetragen haben.

Preis für Unabhängigkeit
Der Preis für Unabhängigkeit 2021 wird an die palästinensische Journalistin Majdoleen Hassona verliehen. Bevor sie zum türkischen Fernsehsender TRT kam und sich in Istanbul niederließ, wurde die Journalistin wegen ihrer kritischen Veröffentlichungen regelmäßig von israelischen und palästinensischen Behörden verfolgt und schikaniert. Nachdem sie im August 2019 ins Westjordanland zurückgekehrt war, um mit ihrem Verlobten (der ebenfalls als Journalist für TRT in Istanbul arbeitet) das islamische Opferfest zu feiern, wurde sie an einem israelischen Kontrollpunkt festgenommen und erfuhr, dass für sie „aus Sicherheitsgründen“ ein von den israelischen Geheimdiensten ausgesprochenes Ausreiseverbot galt. Seitdem sitzt die Journalistin im Westjordanland fest. Sie beschloss, ihre Arbeit vor Ort fortzusetzen. Als sie im Juni 2021 über regierungskritische Proteste nach dem Tod des Aktivisten Nizar Banat berichtete, wurde sie von palästinensischen Sicherheitsbeamten geschlagen.

Der Unabhängigkeitspreis zeichnet Medienschaffende, Medien oder NGOs aus, die auf bemerkenswerte Weise finanziellem, politischem, wirtschaftlichem oder religiösem Druck widerstanden haben.

Preisträger zahlen hohen Preis für ihre journalistische Arbeit

„Zhang Zhan, die Gewinnerin in der Kategorie ‚Mut‘, sitzt im Gefängnis und befindet sich in einem lebensbedrohlichen Zustand – und das nur, weil sie sich der Zensur widersetzt und die Welt darauf aufmerksam gemacht hat, was in China während der gerade beginnenden Pandemie geschah“, sagte RSF-Generalsekretär Christophe Deloire. „Majdoleen Hassona, die Gewinnerin der Kategorie ‚Unabhängigkeit‘, sitzt aufgrund ihrer kritischen Haltung und ihrer Beharrlichkeit seit zwei Jahren auf israelischem Territorium fest. Und weil sie das Ausmaß der Überwachung aufgedeckt haben, der Journalistinnen und Journalisten überall auf der Welt ausgesetzt sein können, werden die Kolleginnen und Kollegen des ‚Pegasus-Projekts‘, unsere diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträger der Kategorie ‚Wirkung‘, nun von Staaten verklagt. Das alles zeigt anschaulich, wie es heutzutage um den Journalismus auf der Welt steht. Die Preisträgerinnen und Preisträger verkörpern das Beste im Journalismus, aber zahlen einen hohen Preis dafür. Sie verdienen nicht nur unsere Bewunderung, sondern auch unsere volle Unterstützung.“

Die Jury der 29. RSF Press Freedom Awards unter dem Vorsitz von RSF-Präsident Pierre Haski besteht aus prominenten Journalisten und Pressefreiheitsaktivistinnen. Der Jury gehören an: Rana Ayyub, indische Journalistin und Kolumnistin der Washington PostRaphaëlle Bacqué, prominente Reporterin für Le Monde, Frankreich; Mazen Darwish, syrischer Anwalt und Präsident des Syrischen Zentrums für Medien und Meinungsfreiheit (SCM)Zaina Erhaim, syrische Journalistin und Kommunikationsberaterin; Erick Kabendera, tansanischer investigativer Reporter; Hamid Mir, pakistanischer Reporter, Kolumnist und Autor; Frederik Obermaier, Investigativjournalist bei der Süddeutschen Zeitung und Michail Sygar, russischer Journalist und Gründungs-Chefredakteur von Doschd, Russlands einzigem unabhängigen TV-Nachrichtensender.

Die RSF Press Freedom Awards wurden 1992 ins Leben gerufen und in der Vergangenheit beispielsweise an die Russin Jelena Milaschina (Preis für Mut 2020), den saudi-arabischen Journalisten Raif Badawi (Kategorie Netzbürger 2014) oder den Chinesen Liu Xiaobo (Verteidiger der Pressefreiheit 2004) verliehen.

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