Mord an Radiojournalist zügig aufklären | Reporter ohne Grenzen für Informationsfreiheit
Peru 24.11.2016

Mord an Radiojournalist zügig aufklären

Der Mord an Journalist Hugo Bustíos 1988 ist ein Symbol der Straflosigkeit in Peru. © estrellasulca.blogspot.com

Reporter ohne Grenzen fordert die peruanischen Behörden auf, den Mord an dem Journalist Hernán Choquepata Ordóñez zügig aufzuklären. Während einer Live-Musiksendung stürmte am vergangenen Sonntag mindestens ein Unbekannter das Studio seines Senders Radio La Ribereña in Camaná im Süden Perus und schoss Ordóñez in den Kopf. Dieser starb wenig später auf dem Weg in ein Krankenhaus.

„Die Ermittler sollten den Verdacht sehr ernst nehmen, dass Hernán Ordóñez wegen seiner Arbeit als Journalist ermordet wurde“, sagte ROG-Geschäftsführer Christian Mihr. „Diese Tat war ein Anschlag auf Perus Medien insgesamt und darf nicht ungestraft bleiben.“

Ordóñez moderierte die Sendung „Habla el Pueblo“ („Die Stadt spricht“), in der sich Bürger oft über die Behörden beschwerten. Er selbst übte in der Sendung wiederholt offene Kritik an Lokalpolitikern, in der Woche vor seiner Ermordung etwa an den Bürgermeistern von Camaná und dem nahegelegenen Mariscal Cáceres. Nach Angaben von Kollegen bei seinem Sender hatte Ordóñez in jüngster Zeit Todesdrohungen erhalten und diese der Polizei gemeldet.

Berichten peruanischer Medien zufolge wurde bei dem Anschlag auch Studioausrüstung des Radiosenders zerstört. Ordóñez hinterlässt eine Frau und zwei Kinder.

Drohungen und Gewalt gegen investigative Journalisten

Drohungen und Gewalt gegen Journalisten sind keine Seltenheit in Peru. Besonders gefährdet sind Medienschaffende, die über Drogenkriminalität, Korruption, Umweltthemen oder politisches Missmanagement recherchieren.

Im August erhielt etwa Doris Aguirre, eine bekannte Investigativjournalistin der renommierten Tageszeitung La República, anonyme Drohanrufe. Zuvor hatte sie in einer fünfteiligen Serie die Existenz einer Todesschwadron der Nationalpolizei aufgedeckt, die für mindestens 27 außergesetzliche Hinrichtungen verantwortlich sein soll. Die Regierung bestätigte schließlich, dass eine Gruppe von Polizisten zwischen 2012 und 2015 mutmaßliche Verbrecher bei vorgeblichen offiziellen Einsätzen hingerichtet hätten.

Morde an Medienschaffenden sind in Peru im Vergleich zu einigen anderen Ländern Lateinamerikas zwar relativ selten: Zuletzt wurden im Jahr 2011 Journalisten eindeutig wegen ihrer Tätigkeit umgebracht. Allerdings gab es seitdem mehrere Morde, bei denen ein Zusammenhang mit der journalistischen Tätigkeit der Opfer als Motiv zumindest in Betracht kam.

Ein anhaltendes Problem ist die häufige Straflosigkeit für solche Verbrechen. Noch Ende 2015 konnte der Ex-General und kurzzeitige Innenminister Daniel Urresti Elera Präsidentschaftskandidat werden, obwohl er als mutmaßlicher Hintermann des Mordes an dem Journalisten Hugo Bustíos Saavedra angeklagt war. Bustíos, der über Menschenrechtsverletzungen im gewalttätigen Konflikt zwischen der Regierung der Rebellengruppe "Leuchtender Pfad" berichtet hatte, war heute vor genau 28 Jahren in einem Hinterhalt bei Huanta getötet worden. Urresti war seinerzeit Geheimdienstoffizier auf dem dortigen Militärstützpunkt.

Hohe Strafen für Pressevergehen wie Verleumdung

Ein weiteres Problem für die Pressefreiheit in Peru sind Willkürjustiz und die Kriminalisierung von Pressevergehen wie Verleumdung und übler Nachrede. Diese werden mit hohen Strafen geahndet, was Selbstzensur begünstigt. In einem der jüngsten Fälle wurde am 4. September der Chefredakteur der Wochenzeitung Prensa al Día, Ronald Daniel Ormeño, in Haft genommen, weil er die in einem Verleumdungsprozess verhängte Entschädigungszahlung von 10.000 Soles (rund 2600 Euro) nicht bezahlte. Ormeño kam erst nach zwei Wochen frei, nachdem seine Familie und Freunde das Geld für die Entschädigung aufgebracht hatten.

Daneben wurde gegen den Journalisten eine einjährige, auf Bewährung ausgesetzte Haftstrafe verhängt. Eine Rechtsanwältin und Geschäftsführerin einer Universität hatte Ormeño wegen eines Artikels von 2013 verklagt, in dem er ihr Unregelmäßigkeiten beim Managament der Universität und falsche Angaben über ihre Qualifikationen vorgeworfen hatte.

In einem anderen Fall verklagte ein hochrangiger Vertreter der Regionalregierung von Tumbes im Norden Perus die Journalistin Milagros Rodríguez Hidalgo wegen ihrer Berichte über Korruptionsvorwürfe auf 100.000 Soles (26.000 Euro) Schadenersatz. Wegen ihrer Berichterstattung erhielt Rodríguez, die für die Zeitung Diario Tumbes 21 schreibt und eine Sendung im Fernsehsender La Hechicera TV moderiert, auch wiederholt anonyme Drohungen.

Ein weiteres Problem für die Pressefreiheit in Peru ist die starke Konzentration des Medienbesitzes. Kommende Woche stellt Reporter ohne Grenzen die Ergebnisse seines Projekts Media Ownership Monitor vor, für das ein peruanisch-deutsches Team drei Monate lang die Besitzkonzentration in der Medienbranche des südamerikanischen Landes untersucht hat.

Auf der Rangliste der Pressefreiheit steht Peru auf Platz 84 von 180 Staaten.



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