Syrien 16.03.2017

211 Medienschaffende im Bürgerkrieg getötet

© picture alliance/AA

Sechs Jahre nach dem Beginn der Massenproteste gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad sind im Bürgerkrieg in Syrien mindestens 211 Medienschaffende in direktem Zusammenhang mit ihrer Arbeit getötet worden. Reporter ohne Grenzen appelliert vor diesem Hintergrund an alle Konfliktparteien, ihrer völkerrechtlichen Verpflichtung zum Schutz der Journalisten im Konfliktgebiet nachzukommen.

Der jahrelange Krieg hat Syrien zum weltweit gefährlichsten Land für Journalisten gemacht. Reporter riskieren für die Arbeit vor Ort ihr Leben. Sie können jederzeit Opfer von Luftangriffen oder Artilleriebeschuss werden, von Sicherheitskräften des Regimes festgenommen oder von Dschihadisten entführt werden. Auch in den Gebieten unter der Kontrolle kurdischer Sicherheitskräfte müssen sie mit Zensur, Drohungen und Festnahmen rechnen.

Allein seit Anfang 2016 wurden in Syrien mindestens zwölf professionelle Journalisten und neun Bürgerjournalisten im Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit getötet. Derzeit sitzen mindestens 26 Medienschaffende wegen ihrer Arbeit in den Gefängnissen der Regierung. Weitere 21 syrische Medienschaffende sowie sieben ausländische Journalisten sind von bewaffneten Gruppen entführt oder gelten als vermisst.

Mehr als 300 syrische Journalisten sind ins Ausland geflohen. Das Berliner Nothilfe-Referat von Reporter ohne Grenzen steht derzeit mit rund einem Dutzend syrischen Medienschaffenden in Kontakt.  Auf der Rangliste der Pressefreiheit steht Syrien auf Platz 177 von 180 Ländern.

Reporter ohne Grenzen hat den UN-Sicherheitsrat wiederholt aufgefordert, die Kriegsverbrechen an Journalisten in Syrien und im Irak dem internationalen Strafgerichtshof vorzulegen. Bei den Vereinten Nationen wirbt ROG außerdem für die Einsetzung eines UN-Sonderbeauftragten für die Sicherheit von Journalisten, um die diversen UN-Resolutionen gegen die Straflosigkeit für Verbrechen an Medienschaffenden endlich durchzusetzen.

Reporter ohne Grenzen unterstützt auch die Klage der Hinterbliebenen der US-Kriegsreporterin Marie Colvin. Sie war im Februar 2012 in Syrien getötet worden. Mit Hilfe von Informationen hochrangiger Überläufer und von syrischen Regierungsdokumenten zeigt ihre Klage detailliert die direkte Verantwortung hochrangiger Regimevertreter für die gezielte Ermordung der Journalistin.



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