Enttäuschte Hoffnungen – Medien im Südsudan | Reporter ohne Grenzen für Informationsfreiheit
Pressegespräch am 10. Dezember 2014 in Berlin

Enttäuschte Hoffnungen – Medien im Südsudan

Reporter ohne Grenzen und Media in Cooperation and Transition (MiCT) laden am Tag der Menschenrechte zu einem Pressegespräch über die Situation der Journalisten im Südsudan ein.

Zeit und Ort:
Mittwoch, 10. Dezember, 11 Uhr
in der Geschäftsstelle von Reporter ohne Grenzen,
Friedrichstraße 231, 10969 Berlin
(Nähe U-Bahnhöfe Kochstraße/Hallesches Tor)

Gesprächspartner:

  • Nhial Bol, Gründer und Chefredakteur der südsudanesischen Tageszeitung The Citizen (Juba)
  • Roman Deckert, Redakteur des Südsudan- und Sudan-Nachrichtenportals The Niles (Berlin)

Im Sommer 2011 hat sich der Südsudan nach einem Referendum über seine Unabhängigkeit vom (Nord-)Sudan abgespalten. Nach Jahrzehnten des Krieges waren die Hoffnungen auch auf mehr Presse- und Meinungsfreiheit im jüngsten Staat der Welt groß. Doch vor einem Jahr eskalierte ein interner Machtkampf zu einem verheerenden Krieg. Zehntausende Menschen verloren ihr Leben, über eine Million wurde von der Gewalt vertrieben. Eine Lösung des Konflikts ist nicht abzusehen.

Schon vor dem Ausbruch der jüngsten Kämpfe sahen sich die südsudanesischen Medien mit verstärkten Repressionen konfrontiert, vor allem durch den Geheimdienst. Trauriger Höhepunkt: Ende 2012 wurde der bekannte Kolumnist Isaiah Abraham von unbekannten Tätern erschossen, offensichtlich aus politischen Gründen. Immer wieder konfiszieren die Sicherheitskräfte ganze Zeitungsauflagen. Reporter und Redakteure werden durch willkürliche Festnahmen eingeschüchtert, etliche Journalisten sind bereits ins Exil geflüchtet. Mit dem neuen Konflikt hat sich die Lage weiter verschärft. Auf der Rangliste der Pressefreiheit steht das Land auf Platz 119 von 180 Staaten.

Über die aktuelle Lage der Pressefreiheit im Südsudan informieren im Pressegespräch:

Nhial Bol, Gründer und Chefredakteur der Tageszeitung The Citizen und des Fernsehsenders Citizen TV. Bol ist einer der profiliertesten Journalisten des Südsudan. In den 1990er Jahren berichtete er allen Repressionen zum Trotz für internationale Medien aus dem nordsudanesischen Khartum. Im Jahr 2000 war er Mitgründer der Tageszeitung Khartoum Monitor und als solcher ständigen Schikanen ausgesetzt. 2005 gründete er die Tageszeitung The Citizen, die ihren Sitz schon vor der Unabhängigkeit in die südsudanesische Hauptstadt Juba verlegte. Dort rief er 2012 mit Citizen TV den ersten privaten Fernsehsender des Landes ins Leben. Bol ist einer der wenigen Journalisten des Südsudan, die sich noch für die dortige Pressefreiheit exponieren.

Roman Deckert, Redakteur des Südsudan und Sudan-Nachrichtenportals The Niles. Deckert arbeitet seit 1997 im bzw. zum (Nord-)Sudan und Südsudan, seit 2008 als Redakteur und Länderanalyst für die Berliner Organisation Media in Cooperation and Transition. Zuvor war er als Kleinwaffenexperte im Berliner Informationszentrum für Transatlantische Sicherheit (BITS) tätig. Neben seiner redaktionellen Arbeit für The Niles veröffentlicht er regelmäßig eigene Texte zu den beiden Sudanen in den Fachpublikationen INAMO und Zenith.

Das Gespräch findet in englischer Sprache statt. Bitte melden Sie sich per E-Mail an.



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