Podiumsgespräch am 14. September 2017 in Berlin ICS

Meinungsfreiheit in Russland

Olga Romanowa ist eine der bekanntesten Journalistinnen Russlands. © picture alliance / AP Photo

Nischen unabhängiger Berichterstattung in den Regionen und im Internet

Reporter ohne Grenzen und die Friedrich Naumann Stiftung für die Freiheit laden ein zum Podiumsgespräch

am Donnerstag, 14. September 2017
ab 18.30 Uhr
bei Reporter ohne Grenzen
Friedrichstr. 231, (2. Hinterhof, 3. OG), 10969 Berlin.

 

 

 

 

Der russische Staatsapparat kontrolliert längst nicht mehr nur das Fernsehen, seit den Massendemonstrationen 2011 und 2012 schränkt er journalistische Freiräume generell ein: 2014 verbot ein Gesetz ausländischen Unternehmen, mehr als 20 Prozent an russischen Medien zu halten – kremlkritische Medien verloren daraufhin Investoren. Mithilfe neuer Internet-Zensurgesetze wurden mehrere unabhängige Blogs wegen Extremismus-Vorwürfen gesperrt. Wer in Regionen wie Tschetschenien über Menschenrechte berichtet, riskiert sein Leben. Gleichzeitig beweisen neue Medienangebote im Internet die Kreativität russischer Journalisten. Doch seit sie zahlreiche Leser über soziale Netzwerke erreichen, gehen die Machthaber auch hier gegen freie Kommunikation vor. 

Gerade in den russischen Regionen ist es für viele Bürger oft schwierig sich unabhängig zu informieren. Kann kritischer Journalismus dort überhaupt existieren? Wie können unabhängige Medien ihre Arbeit finanzieren? Wie schützen Journalisten sich selbst und ihre Familien vor Verfolgung? Und wieviel Einfluss haben neue digitale Informationsangebote überhaupt?

Es diskutieren: Olga Romanowa (Moskau) und Fjodor Krascheninnikow (Jekaterinburg)

Moderation: Tamina Kutscher (Chefredakteurin dekoder.org)

Olga Romanowa ist eine der bekanntesten Journalistinnen Russlands. Sie schreibt für unabhängige Medien wie die New Times, die Nowaja Gaseta und für den Think Tank Carnegie-Zentrum in Moskau. Über ihre Berichte auf sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook erreicht sie zehntausende Leser. Für ein Projekt der Friedrich Naumann Stiftung für die Freiheit arbeitet sie seit September 2017 in Berlin. Romanowa engagiert sich in der von ihr mitgegründeten Bürgerrechtsinitiative Sitzendes Russland für unrechtmäßig Verurteilte – besonders in den russischen Regionen – und in der Liga der Wähler für die Wahlrechte russischer Bürger. Für ihre zivilgesellschaftliche und journalistische Arbeit wurde sie vielfach ausgezeichnet, 2012 unter anderem mit dem Gerd-Bucerius-Förderpreis Freie Presse Osteuropas.

Fjodor Krascheninnikow ist ein bekannter Blogger und unabhängiger Journalist in der Ural-Region. Seit 2003 ist er Chefredakteur der von ihm mitgegründeten Nachrichtenagentur Politsowjet in Jekaterinburg. Der studierte Philosoph kommentiert regelmäßig innenpolitische und regionalpolitische Entwicklungen – auch überregional, zum Beispiel für den Radiosender Echo Moskwy. Über Facebook und seinen Telegram-Kanal erreicht er mehrere Tausend Leser. Krascheninnikow engagiert sich seit Mitte der 90er Jahre bei politischen Kampagnen in seiner Heimatstadt Jekaterinburg. Er arbeitete als Politikberater und schrieb zusammen mit Leonid Wolkow, dem Strategieberater des Oppositionspolitikers Alexej Nawalny, das Buch „Bewölkte Demokratie“.

Die Veranstaltung findet auf Russisch und auf Deutsch statt und wird simultan gedolmetscht. Wir bitten um Anmeldung per Online-Formular.



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