Netzwerk Recherche Jahreskonferenz 2019 | Reporter ohne Grenzen für Informationsfreiheit
Konferenz am 14./15. Juni in Hamburg ICS

Netzwerk Recherche Jahreskonferenz 2019

Welche Einschränkungen unterliegen Auslandskorrespondentinnen und -korrespondenten heute in der Türkei? Wie kann künstliche Intelligenz zu einer neuen Form der automatisierten Zensur manipuliert werden? Welchen Einfluss hat China auf den weltweiten Journalismus? Über diese und weitere spannende Themen werden Reporter ohne Grenzen beim diesjährigen Netzwerk-Recherche Treffen diskutieren.

Am Freitag, 14. Juni 2019 von 10:00 bis 21:00 Uhr
und Samstag, 15. Juni 2019 von 10:15 bis 19:15 Uhr
beim NDR Fernsehen
Hugh-Greene-Weg 1
22529 Hamburg

Folgende Panels werden von Reporter ohne Grenzen organisiert:

- Wie arbeiten Auslandskorrespondent*innen heute in der Türkei?
Moderation: ROG-Geschäftsführer Christian Mihr.

Die Türkei gehört unverändert zu den Ländern, die weltweit am meisten Journalist*innen wegen ihrer Arbeit inhaftieren. Trotz der Freilassung von Deniz Yücel und Mesale Tolu sind auch die Arbeitsbedingungen ausländischer Korrespondent*innen in der Türkei weiter schwierig. Auf Grund privater Äußerungen gibt es weiterhin ein Verhaftungsrisiko, Akkreditierungen werden weiter nur mit Mühen erteilt und sie werden überwacht. Wie können Auslandskorrespondent*innen unter diesen Bedingungen unabhängig über die Türkei berichten und welchen konkreten Einschränkungen unterliegen sie? Unterscheiden sich die Risiken für freie und festangestellte Korrespondent*innen?

Freitag, 14. Juni, 15:30 - 16:30 Uhr. Das Panel findet auf deutscher Sprache statt.

- Wenn künstliche Intelligenz zum Hacker wird
Mit unserem Referenten für Internetfreiheit Daniel Moßbrucker.

Wie Angreifer eine künstliche Intelligenz hacken, um Journalist*innen zu zensieren
Eineinhalb Milliarden Accounts. So viele Fake-Profile schloss Facebook allein binnen sechs Monaten im Jahr 2018, wie Mark Zuckerberg im November bekannt gab. Angesichts dieser Schwemme an gefälschten Accounts setzt das soziale Netzwerk zunehmend künstliche Intelligenz ein, um der Lage wieder Herr zu werden. Wie wohl auch sonst? Es scheint kaum möglich, dass Menschen diese Arbeit machen.
Was aber passiert, wenn sich so eine „Intelligenz“ irrt? Oder wenn Menschen, die Beiträge in sozialen Netzwerken löschen, sich aufgrund falscher Empfehlungen der technischen Systeme dazu entscheiden, die Profile von Journalist*innen zu löschen?
Dem in Deutschland lebenden Journalisten Lê Trung Khoa ist dies mutmaßlich passiert. Der vietnamesische Blogger nutzt das in seinem Land oberflächlich noch unzensierte Facebook, um von Deutschland aus über die Lage der Menschenrechte in seinem Heimatland zu berichten. Im November sperrte ihn Facebook plötzlich von der Plattform aus. Kurz zuvor hatte er angekündigt, am kommenden Tag einen Livestream von einer Anhörung im Bundestag veröffentlichen zu wollen, in der es um die Entführung von Vietnamesen in Deutschland gehen sollte.
Aufgrund der Facebook-Blockade wurde das Video nicht publik, außerdem hatte Lê Trung Khoa tagelang keinen Zugriff auf seinen Account. Facebook teilte ihm mit, dass er die Community-Standards verletzt habe. Erst nachdem er sich unter anderem an Reporter ohne Grenzen gewandt hatte, nahm die Plattform seinen Fall ernst und fand heraus, dass er Opfer einer Attacke geworden war.
Recherchen von Reporter ohne Grenzen zufolge war dies kein Einzelfall. Mindestens 23 weitere Accounts von vietnamesischen Journalist*innen und Blogger*innen wurden allein 2018 ganz oder teilweise gesperrt, obwohl sie die Community-Standards offensichtlich nicht verletzt hatten. Die NGO kritisiert, dass der Einsatz automatisierter Systeme bei sozialen Netzwerken und die Rolle von menschlichen Content-Moderator*innen besser kontrolliert und das Widerspruchsrecht gegen Löschung für Nutzer*innen gestärkt werden muss.
In diesem Talk wird Lê Trung Khoa beschreiben, wie die Angreifer in seinem Fall konkret vorgegangen sind und welche anderen Methoden von Angreifer*innen angewendet werden, um vietnamesischer Kritiker*innen auf Facebook zu blockieren. ROG-Referent Daniel Moßbrucker beschreibt darüber hinaus, wie Angreifer*innen auf der ganzen Welt „künstlichen Intelligenzen“ manipulieren können, um eine neue Form automatisierter Zensur durchzusetzen.

Freitag, 14. Juni, 15:30 - 16:30 Uhr. Das Panel findet auf deutscher Sprache statt.

- Chinas Einfluss auf den weltweiten Journalismus
Moderation: ROG-Pressereferentin Anne Renzenbrink.

Chinas Ansatz zur Imagepflege war lange Zeit vor allem defensiv, reaktiv und weitgehend aufs Inland ausgerichtet: Medien werden systematisch zensiert, Berichterstattung durch Propaganda-Direktiven gesteuert und unliebsame Journalist*innen inhaftiert. Seit einer Weile exportiert China sein autoritäres Journalismus-Modell aber auch weltweit. Peking kauft Medien und trainiert zahlreiche ausländische Journalist*innen, um die Geschichte Chinas gut zu erzählen, finanziert Advertorials und sponsert journalistische Berichterstattung. Für westliche Journalist*innen, die durch endlose Budgetkürzungen demoralisiert sind, bieten chinesische Medien teils verlockende Perspektiven und wettbewerbsfähige Gehälter. Wie erfolgreich ist der Export des chinesischen Journalismusmodells? Wie sollten westliche Medien auf die Entwicklung reagieren? Kann der westliche Journalismus etwas lernen?

Samstag, 15. Juni, 10:45 - 11:45 Uhr. Das Panel findet auf englischer Sprache statt.



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