Syrien 10.07.2012

33 Journalisten und Bürgerjournalisten seit März 2011 getötet

© ddp images / AP

Reporter ohne Grenzen (ROG) ist schockiert über den Tod von 33 Journalisten und Bürgerjournalisten in Syrien seit März 2011 sowie über zahlreiche Verhaftungen. Allein in den vergangenen fünf Wochen wurden zehn Bürgerjournalisten getötet. Die meisten von ihnen kamen bei dem Versuch ums Leben, trotz der staatlichen Informationsblockade die Gefechte zu dokumentieren und ihre Beiträge der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.

„Angesichts der Ereignisse in Syrien ist besonders jetzt eine umfangreiche Berichterstattung von großer Bedeutung. Stattdessen verhindert die Regierung die Einreise internationaler Reporter und geht rigoros gegen unabhängige Journalisten und Bürgerjournalisten im Land vor“, so Reporter ohne Grenzen.

Das jüngste Ereignis ist die Verhaftung des freien Journalisten Mohamed Sami Al-Kayyal. Am 27. Juni wurde er in Tartus festgenommen und ins Gefängnis des syrischen Geheimdiensts in Damaskus gebracht. Er hatte für regionale Zeitungen geschrieben und war auf Grund seiner Tätigkeit bereits im Juli 2011 einmal verhaftet worden. Reporter ohne Grenzen fordert seine sofortige und bedingungslose Freilassung.  

Am 26. Juni wurde der Aktivist Wael Omar Bard in Jarjanaz im Süden von Idlib getötet. Der Organisation Doha Centre for Media Freedom (DCMF) zufolge wurde er von einer Kugel getroffen, als er die Gefechte zwischen Soldaten und der Freien Syrischen Armee (FSA) filmte. Zuvor hatte Bard in sozialen Netzwerken Videoaufnahmen über die syrischen Aufstände und oppositionellen Demonstrationen veröffentlicht.  Am 21. Juni wurde Hamza Mahmoud Othman Opfer eines Heckenschützen in Homs, während er den Schusswechsel der Soldaten filmte. Bassim Darwish, Mitgründer des Pressezentrums Rastan, wurde bei einem Raketenangriff auf die nordsyrische Stadt Rastan schwer verletzt und starb am 15. Juni. Zur selben Zeit berichtete Reporter ohne Grenzen über den Tod des Kameramanns Ahmed Hamada am 16. Juni und des Bürgerjournalisten Khaled Al-Bakir am 10. Juni bei einem Granatenangriff.

Reporter ohne Grenzen verurteilt zudem den Tod der Bürgerjournalisten Hassan Mohamed Al-Azhari and Rami Ismael Iqbal im Gefängnis. Der 24-jährige Azhari wurde am 13. April in Latakia verhaftet und nach Damaskus in ein Gefängnis des syrischen Geheimdienstes verlegt. Er starb kurze Zeit später, vermutlich an den Folgen von Folter. Als Mitgründer des Koordinationskomitees in Latakia hatte Azhari das harte Durchgreifen der Regierung gegen Demonstranten dokumentiert. Iqbal wurde im Dezember 2011 festgenommen und starb ebenfalls in Gefangenschaft, die genauen Umstände seines Tods sind bis heute nicht geklärt. Der Aktivist hatte die Ereignisse seit Beginn der Auseinandersetzungen gefilmt und sie an internationale Medien weitergegeben.

Auf der aktuellen Rangliste der Pressefreiheit nimmt Syrien Platz 176 von 179 ein. ROG zählt den syrischen Präsidenten Baschar al Assad in seiner aktuellen Liste vom 3. Mai 2012 zu den „Feinden der Pressefreiheit“.

Weitere Informationen in englischer Sprache finden Sie hier.

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