Pressegespräch am 9. Mai 2019 in Berlin ICS

Afghanistan: Recherchieren unter Lebensgefahr

Reporter ohne Grenzen lädt ein zum Pressegespräch

am Donnerstag, den 09. Mai 2019
von 11 bis 12:30 Uhr
in der Potsdamer Straße 144
10783 Berlin (2.OG)

Kritische Journalistinnen und Journalisten in Afghanistan riskieren ihr Leben. Im vergangenen Jahr starben dort mindestens 16 Medienschaffende wegen ihrer Arbeit, mehr als in keinem anderen Land der Welt. Diese Entwicklung ist nicht neu – auch 2017 und 2016 gehörte Afghanistan neben Syrien und Mexiko zu den gefährlichsten Ländern.

Das liegt vor allem daran, dass Medienvertreterinnen und Medienvertreter in Afghanistan ins Visier von Extremisten geraten und immer wieder durch Anschläge getötet werden. Bei einem Doppelanschlag in Kabul Ende April 2018 etwa starben allein neun Medienschaffende, sechs weitere wurden schwer verletzt. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat reklamierte den Anschlag, der sich gezielt gegen Journalistinnen und Journalisten richtete, für sich. Der weltweit erste Journalist, der 2019 wegen seiner Arbeit starb, war ein afghanischer Bürgerjournalist. Er wurde von Taliban-Kämpfern erschossen. ROG zählt die in Afghanistan Terror verbreitenden Taliban und den IS zu den größten Feinden der Pressefreiheit weltweit.

Besonders schwierig ist die Situation in Afghanistan für Journalistinnen. Zusätzlich zu den Sicherheitsrisiken stehen sie unter starkem sozialen Druck einer patriarchalischen Gesellschaft sowie oft auch von ihrer eigenen Familie. Anfang März 2017 hat Reporter ohne Grenzen in Kabul ein Zentrum für den Schutz von Journalistinnen eröffnet. Es organisiert Seminare über physische und digitale Sicherheit und fungiert auch als Ort des Austauschs mit der Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen – insbesondere für Journalistinnen, die in abgelegenen Gebieten arbeiten.

Wie können Journalistinnen und Journalistin im für sie gefährlichsten Land der Welt recherchieren? Wie können sich Medienschaffende in Afghanistan vor Gewalt schützen? Inwieweit können Friedensgespräche mit den Taliban die Situation für Reporterinnen und Reporter verbessern? Welche Verantwortung haben Deutschland und die EU, wenn Medienschaffende aus Angst vor Verfolgung und Gewalt aus Afghanistan fliehen? Über diese und weitere Fragen diskutiert:

FARIDA NEKZAD, Journalistin aus Afghanistan. Sie leitet das Zentrum für den Schutz von Journalistinnen in Kabul und bildet junge Frauen im Land zu Reporterinnen aus. Nekzad rief gemeinsam mit ihrem Mann die Nachrichtenagentur „Wakht“ für investigativen Journalismus ins Leben. Für ihr Engagement wurde sie 2008 mit dem Courage in Journalism Award ausgezeichnet.

Moderation: ANNE RENZENBRINK, Pressereferentin bei Reporter ohne Grenzen

Die Veranstaltung findet in englischer Sprache statt.

Wir bitten um Anmeldung per E-Mail.



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