Iran 20.03.2006

Akbar Ganji ist frei

Der iranische Journalist Akbar Ganji ist am vergangenen Freitag aus dem Teheraner Evin-Gefängnis entlassen worden. Dort war er seit dem 22. April 2000 inhaftiert. „Wir sind sehr glücklich über die Freilassung von Akbar Ganji“, so Reporter ohne Grenzen (ROG). „Doch um die Medienfreiheit im Iran ist es weiterhin schlecht bestellt. Vier Journalisten und zwei Webblogger sind dort weiterhin hinter Gittern.“

Kurz nach der Haftentlassung sagte Ganji gegenüber ROG, er sei „erleichtert“ jedoch „körperlich sehr geschwächt“. Gleichzeitig dankte er „all jenen, die mich in den letzten sechs Jahren unterstützt haben.“ Der Journalist wiegt nur noch 48 Kilo und leidet unter starken Schmerzen an Knien und Rücken. Er wird demnächst operiert werden müssen.

In einer Pressemitteilung erklärten die iranischen Justizbehörden unterdessen, Akbar Ganji profitiere lediglich von einer bedingten Haftentlassung anlässlich des persischen Neujahrsfestes. Das beginnt am 21. März und endet am 3. April. Da die sechsjährige Haftstrafe, zu der Ganji 2001 verurteilt wurde, am 30. März ausläuft, ist seine erneute Inhaftierung wenig wahrscheinlich.


Hintergrund
Ganji war Herausgeber der Wochenzeitschrift "Rah-e-No" (Neuer Weg), die 1997 verboten wurde, und schrieb für die reformorientierten Tageszeitungen „Sobh-e-Emruz", „Asr-e Azadegan" und „Neshat". Die Zeitungen sind mittlerweile alle geschlossen. Akbar Ganji berichtete über die Ermordung von gut 100 kritischen Intellektuellen unter der Präsidentschaft von Hashemi Rafsandschani in den neunziger Jahren. Er forderte radikale Reformen im Sinne eines säkularisierten Iran.

Ale er im April 2000 von einer Iran-Konferenz aus Berlin in seine Heimat zurückkehrte, wurde er direkt verhaftet. Die Behörden befanden ihn des „Angriffs auf die Staatssicherheit“, „der Schmähung des Gründers der islamischen Republik und der heiligen Werte des Regimes“ sowie der „Propaganda gegen die islamische Republik“ für schuldig. Am 13. Januar 2001 wurde er zu zehn Jahren Haft verurteilt, doch noch im Juli des gleichen Jahres wurde die Strafe auf sechs Monate reduziert. Unter dem Vorwand, es habe Unregelmäßigkeiten während des Prozesses gegeben, erhöhte sich die Strafe nur zwei Monate später wieder auf sechs Jahre.

Akbar Ganji saß in Einzelhaft. 2005 trat er zweimal in einen Hungerstreik, um medizinische Behandlung und seine Freilassung zu erreichen. Er verlor 25 Kilogramm, musste aber nach einem kurzen Krankenhausaufenthalt erneut ins Gefängnis. Seinen Gesuchen gaben die iranischen Behörden nicht statt. Reporter ohne Grenzen hat sich über Jahre hinweg mit internationalen Kampagnen für seine Freilassung eingesetzt.

Weitere Informationen:
Katrin Evers
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Fon +49-30-6158585 – Fax +49-30-6145649
presse@reporter-ohne-grenzen.de

nach oben