Iran 26.07.2005

Akbar Ganji: Justizbehörden bleiben gnadenlos

Der Gesundheitszustand von Akbar Ganji ist kritisch. Seit dem 11. Juni befindet sich der iranische Journalist im Hunger­streik. Reporter ohne Grenzen protestiert gegen die Vorgehensweise der iranischen Justizbehörden und macht sie für den sich täglich verschlechternden Zustand des Journalisten verantwortlich.

Seit seiner Einlieferung in das Krankenhaus Milad am 17. Juli hat der Journalist weiter an Gewicht verloren. Nach 45 Tagen Hungerstreik für eine angemessene medizinische Versorgung ist er sehr ge­schwächt.

„Wir sind auch äußerst besorgt über das Vorgehen des Teheraner Generalstaatsanwalts Said Mortazavi. Er beharrt darauf, dass sich der Journalist einer Knieoperation unterzieht, die eine Vollnarkose voraus­setzt, obwohl aus medizinischer Sicht vor einem solchen Eingriff derzeit gewarnt wird“, betont Reporter ohne Grenzen.

Ganjis Frau, Massoumeh Shafii, hat sich nach Informationen von Reporter ohne Grenzen an die oberste Instanz der Justiz, Ayatollah Mahmoud Hashemi Shahrudi, gewandt und ihn gebeten, Mortazavi den Fall zu entziehen. In ihrem Brief schlägt sie weiter vor, jemanden zu berufen, der einen detaillierten Bericht über den Gesundheits­zustand des Journalisten erstellt. Weiter fordert sie eine Besuchser­laubnis für drei Verhandler - Freunde Ganjis - auszustellen, um ihn von einer Behandlung zu überzeugen. Am Ende ihres Briefes betont sie die volle Verantwortung Sharudis für das Schicksal ihres Mannes.

Bisher haben lediglich die Familienangehörigen eine Besuchser­laubnis erhalten. Ganjis Anwältin, Shirin Ebadi, durfte ihn bisher nicht besuchen. Die Friedensnobelpreisträgerin von 2003 ist eben­falls äußerst besorgt über den Gesundheitszustand ihres Mandanten.

In einem am Tag seiner Einlieferung in das Milad-Krankenhaus im Internet veröffentlichten Brief berichtet Akbar Ganji, er sei von Said Mortazavi bedroht worden. Er habe ihm gesagt, seine Einlieferung ins Krankenhaus solle dem internationalen Druck ein Ende setzen. Außer­dem könne so niemand den Justizbehörden die Schuld geben, falls er sterbe.

Ganji wurde festgenommen, als er im Jahr 2000 von einer Iran­konferenz der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin in seine Heimat zurück­kehrte. Er erhielt eine Haftstrafe von sechs Jahren, da er die Staats­führung beleidigt haben soll. Ganji hatte in seinen regimekritischen Artikeln immer wieder radikale Reformen und einen säkularisierten Iran gefordert. Auch berichtete er über die Ermordung von gut 100 kritischen Intellektuellen unter der Präsidentschaft von Hashemi Rafsandschani in den neunziger Jahren.

Am 11. Juni trat Akbar Ganji in einen unbefristeten Hungerstreik. Er fordert eine angemessene medizinische Versorgung seines chroni­schen Asthmaleidens außerhalb des Gefängnisses und seine bedingungs­lose Haftentlassung. Nach Angaben seiner Frau verlangen die Justizbehörden von ihm Reue für seine Veröffentlichungen. Nach einem zehntägigen Hungerstreik im Mai dieses Jahres wurde er zunächst freigelassen, nach knapp zwei Wochen jedoch wieder inhaftiert. Während seines neuerlichen Hungerstreiks verschlechterte sich sein Gesundheitszustand rapide. Familie und Anwälte durften ihn zunächst nicht im Krankenhaus besuchen.

Reporter ohne Grenzen hat sich in einem offenen Brief an die
EU-Außen­minister, das EU-Parlament und die Vereinten Nationen gewandt und um Unterstützung für Ganji gebeten. Menschenrechts­organisationen fordern seine Freilassung.

Zur Petition für Akbar Ganji.


Weitere Informationen:
Reporter ohne Grenzen – Majid Bagha Shanjani
Fon +49/30/615 85 85
presse@reporter-ohne-grenzen.de
www.reporter-ohne-

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