Pressegespräch am 27. Mai in Berlin

Chinas Medien und die Proteste von 1989

Tiananmen 2009 © ddp images

Einladung zum ROG-Pressegespräch     

mit dem chinesischen Journalisten Chang Ping und der Sinologin Kristin Shi-Kupfer   

am Dienstag, 27. Mai 2014 um 11 Uhr     

in der ROG-Geschäftsstelle,     
Friedrichstraße 231 (Aufgang B)
10969 Berlin     
(zwischen den U-Bahnhöfen Kochstraße und Hallesches Tor)    


Auch 25 Jahre nach dem Massaker am Platz des Himmlischen Friedens in Peking sind die Ereignisse um den 4. Juni 1989 für Chinas Medien tabu. Jeder Hinweis auf die blutige Niederschlagung der Studierendenproteste wird streng zensiert. Begriffe wie „4. Juni“ oder „Studentendemonstration Tiananmen“ werden bei Suchanfragen im Internet blockiert. Anlässlich des bevorstehenden Jahrestages greift die Regierung in diesem Jahr besonders hart durch: Mehrere Dissidenten und Kritiker wurden festgenommen oder unter Hausarrest gestellt. Die 70-Jährige Journalisten Gao Yu, die unter anderem für die Deutsche Welle arbeitet,  ist seit Ende April in Haft und wurde im chinesischen Staatsfernsehen CCTV mit einem öffentlichen Schuldeingeständnis vorgeführt.

Doch die aktuelle Welle von Repressionen und Zensur ist nur die Spitze des Eisbergs: Die „chinesische Firewall“ sperrt Tausende Webseiten. Facebook, Youtube und Twitter sind seit 2009 blockiert. Seit dem vergangenen September drohen bis zu drei Jahren Haft für die Verbreitung von „Gerüchten“ über die Twitter-ähnlichen Weibo-Dienste. Zugleich können sich Chinas Bürger trotz der zunehmend ausgeklügelten Zensur besser denn je informieren. So sind viele englischsprachige Nachrichtenwebseiten auf Englisch frei zugänglich. Mit entsprechender Software können Internetnutzer auch blockierte Seiten besuchen. Und über den Kurznachrichtendienst Weibo verbreiten sich Nachrichten oft in Sekundenschnelle an den Zensoren vorbei.

Wie verändert sich die Zensur in China? Welche Spielräume lässt das System Journalisten und Bloggern? Und was weiß Chinas junge Generation angesichts des staatlich verordneten Schweigens überhaupt über die Ereignisse von 1989?

Darüber sprechen wir mit

  • Chang Ping: Der chinesische Journalist war Nachrichtenchef der Zeitung Nanfang Zhoumo, bevor er 2002 wegen kritischer Artikel über die Politik der Regierung seine Stelle verlor. Auch zwei weitere Zeitungen (The Bund Pictorial in Shanghai und Southern Metropolis Weekly in Guangzhou) musste er wegen „unangemessener Berichterstattung“ und Kritik an der Tibetpolitik der Regierung verlassen. 2008 wurde Chang Ping mit Berufsverbot belegt, seine Artikel dürfen in China nicht mehr erscheinen. 2011 emigrierte er nach Hong Kong, um dort das Magazin iSun Affairs zu gründen; jedoch wurde ihm ein Arbeitsvisum verweigert. Seit 2011 lebt und arbeitet er in Deutschland.
  • Kristin Shi-Kupfer: Die Sinologin und Politikwissenschaftlerin leitet die Forschungsstelle Gesellschaft, Medien und Gegenwartskultur des Mercator Institute for China Studies (MERICS) in Berlin. Zuvor war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sinologie der Universität Freiburg. Von 2007 bis 2011 berichtete sie für Medien wie Zeit Online, die tageszeitung und den Evangelischen Pressedienst aus Peking.

Das Gespräch findet auf Deutsch und Chinesisch mit Übersetzung statt. Bitte melden Sie sich unter rog@reporter-ohne-grenzen.de an.

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