Irak 30.03.2005

Drei rumänische Journalisten entführt

Reporter ohne Grenzen ist sehr besorgt über das Verschwinden und die vermutliche Entführung dreier rumänischer Journalisten am 28. März in einem Vorort von Bagdad. „Wir verlieren daher keine Zeit, die Regierungen von Rumänien, Europa, den USA und dem Irak aufzufordern, alles Mögliche zu tun, um diese Journalisten schnell zu finden."

„Gerüchte über verschollene oder entführte Personen im Irak müssen sehr ernst genommen werden", sagte die Menschenrechtsorganisation. „Die Erfahrung zeigt, dass alle Journalisten - unabhängig von ihrer Nationalität - Opfer von dieser Art von Angriffen werden können. In einem solchen Fall sind Unterstützung und Handeln in den ersten Tagen entscheidend."

Reporter ohne Grenzen zufolge wurden mindestens 17 Journalisten im Irak seit Beginn des Krieges im März 2003 entführt. Florence Aubenas von der französischen Tageszeitung Libération und ihr irakischer Führer und Übersetzer Hussein Hanoun werden seit dem 5. Januar festgehalten.

Reporterin Mari Jeanne Ion und Kameramann Sorin Dumitru Miscoci vom rumänischen Fernsehsender Prima TV und Ovidiu Ohannesian von der privaten Tageszeitung Romania Libera verschwanden am 28. März, fünf Tage nach ihrer Ankunft im Irak. Ihr irakischer Führer, ein Geschäftsmann, der normalerweise in Rumänien arbeitet, wird auch vermisst.

Die Redaktion von Prima TV sagte, sie erhielt einen Anruf von Ion im Augenblick der Entführung. Anscheinend versuchte Ion den Entführern zu erklären, dass es nutzlos sei, sie und ihre Kollegen zu entführen, da sie lediglich rumänische Journalisten seien, die kein Geld für Lösegeld hätten.

Die Konversation zwischen der Fernsehcrew und den Kidnappern wurde teilweise auf Englisch und teilweise auf Arabisch geführt, berichtete Prima TV in einer Pressemitteilung. „Mari Jeanne versuchte uns auch auf Rumänisch mitzuteilen, dass sie entführt worden seien und wir sofort die rumänische Botschaft in Bagdad alarmieren sollten. Wir konnten zudem verstehen, dass sie in einem Auto in Richtung Al Hamriyah fuhren."
Die unabhängige Nachrichtenorganisation Mediafax berichtete, dass Ion einige Minuten nach ihrem Anruf eine SMS schickte, in der sie schrieb: „Wir wurden entführt. Das ist kein Witz. Helft uns.“

Der rumänische Außenminister Mihai-Razvan Ungureanu sagte, er werte derzeit die Berichte über das „mögliche Verschwinden“ der drei Journalisten im Irak aus. Premierminister Calin Popescu-Tariceanu sagte “die drei Journalisten wurden in einer Gegend für vermisst erklärt, die eher für kriminelle Aktivitäten als für Entführungen bekannt ist.“ Er erklärte nicht, auf welche Gegend er sich dabei bezog.

Ein Krisenstab mit Vertretern des Präsidentenbüros, des Auswärtigen Amtes und der Geheimdienste wurde sofort in Rumänien einberufen. Neue Entwicklungen wurden nicht unmittelbar erwartet und bislang ging bei der Regierung keine Lösegeldforderung ein.

Die offensichtliche Entführung ereignete sich kurz nachdem die Journalisten sich mit Vertretern der rumänischen Botschaft getroffen hatten. Sie hatten bereits den irakischen Interimspremierminister Ijad Alawi interviewt und warteten noch auf ein Interview mit Präsident Ghasi Adschil al-Jawir.

Am Vortag, dem 27. März, hatte der rumänische Präsident Traian Basescu die rumänischen Truppen besucht, die Teil der multinationalen Koalition sind. Er hatte verkündet, dass Rumänien nicht beabsichtige seine Truppenstärke zu reduzieren und weiterhin seinen Beitrag zur Rekonstruktion und Stabilisierung des Iraks leisten würde.

In Bezug auf das Verschwinden der drei Reporter sagte Barescu bei seiner Rückkehr nach Rumänien, dass „alle staatlichen Institutionen in Bereitschaft stehen und entschlossen sind, das Problem zu lösen.“ Er fügte hinzu, dass die Geheimdienste der verbündeten Länder informiert worden seien.

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