Afghanistan 09.10.2006

Entsetzen über Mord an deutschen Journalisten

Das Auto von Fischer und Struwe
Das Auto von Fischer und Struwe

Entsetzen über Mord an deutschen Journalisten

Paris/Berlin, 9. Oktober 2006. Reporter ohne Grenzen ist entsetzt über den Mord an der deutschen Journalistin Karen Fischer und dem Medienmitarbeiter Christian Struwe. „Die Beiden sind offensichtlich wegen ihrer Arbeit getötet worden“, so die Organisation für Pressefreiheit. „Jetzt ist es wichtig, dass die Behörden die Täter ausfindig machen und diese bestraft werden.“ Reporter ohne Grenzen sprach den Angehörigen ihr Beileid aus.

Die beiden Mitarbeiter der Deutschen Welle waren am Samstagmorgen im Distrikt Tala wa Barfak im Osten der Provinz Baghlan von Dorfbewohnern tot aufgefunden worden. Diese hatten, nach Aussage des Afghanischen Innenministeriums, Schüsse gehört und die beiden Deutschen anschließend tot in ihrem Zelt aufgefunden. Auch ihr Auto war von Einschusslöchern durchsiebt.

Ein Sprecher des Innenministeriums schloss die Taliban als Täter aus. Sie seien in der entsprechenden Region nicht aktiv. Ein Raubüberfall ist unwahrscheinlich, da die Mörder weder Equipment, noch Papiere entwendeten. Der Gouverneur der nordafghanischen Provinz teilte mit, dass bisher fünf bis sechs Verdächtige identifiziert worden seien.

Karen Fischer (30) und Christian Struwe (38) befanden sich auf einer privaten Recherchereise zu den historischen Stätten in Bamijan, zu denen auch die 2001 von den Taliban zerstörten Buddha-Statuen gehörten. Bis Mittwoch vergangener Woche hatten die beiden noch mit der ISAF-Schutztruppe zusammengearbeitet und waren dann alleine aufgebrochen. Ungewöhnlich ist, dass die beiden ohne Führer unterwegs waren.

„Der Tod von Karen Fischer und Christian Struwe sollte für alle ausländischen Journalisten eine Mahnung sein. Er zeigt, wie sehr Vorsicht geboten ist, wenn man durch Afghanistan reist“, so Reporter ohne Grenzen.

Die Provinz Baghlan, in der die beiden unterwegs waren, galt bislang als relativ sicher. Doch hatte Mullah Dadullah, einer der Militärchefs der Taliban, am 4. September angekündigt, dass die Bewegung unter Mullah Omar jeden Journalisten töten würde, der Informationen der NATO in Afghanistan nutzen würde. „Wir haben das Recht des Islam, diese Journalisten zu töten“, sagte er gegenüber der Nachrichtenagentur AP.

Fischer war eine Reporterin mit den Schwerpunkten Nahost und Afghanistan. Struwe war als Techniker im Auftrag der Deutschen Welle im Land, um den staatlichen Sender ‚Radio Television Afghanistan’ beim Aufbau einer internationalen Nachrichtenredaktion zu unterstützen.

Afghanistan befindet sich auf Platz 97 (von 167) auf der Reporter ohne Grenzen-Rangliste zur Pressefreiheit. Fischer und Struwe waren die ersten ausländischen Journalisten, die seit November 2001 in Afghanistan ermordet wurden, als sieben westliche und ein afghanischer Reporter in der Nähe von Jalalabad im Norden des Landes getötet wurden. Im Jahr 2005 kamen zwei afghanische Journalisten gewaltsam in der Krisenregion um.

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