Pressegespräch am 29. April in Berlin ICS

Eritrea: Diktatur ohne Pressefreiheit

Reporter ohne Grenzen lädt ein zum Pressegespräch

am Montag, den 29. April 2019
von 11 bis 12:30 Uhr
in der Potsdamer Straße 144
10783 Berlin (2.OG)

Eritrea belegt seit 15 Jahren einen der letzten drei Plätze auf der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen. In der aktuellen Ausgabe schneiden nur Turkmenistan und Nordkorea schlechter ab. Seit 2001 gibt es in dem Land im Nordosten Afrikas keine unabhängigen Medien mehr. Im Zuge einer politischen Säuberungsaktion schloss die Regierung damals alle nicht-staatlichen Medien und inhaftierte zahlreiche Journalistinnen und Journalisten. Einzig die Staatsmedien dürfen seither Nachrichten verbreiten, doch auch sie sind streng zensiert. Aufgrund der Nachrichtenkontrolle sind die Bürgerinnen und Bürger in Eritrea der staatlichen Propaganda praktisch vollständig ausgesetzt. Die Nutzung ausländischer Medien ist verboten. Der einzige unabhängige und politisch unparteiische Radiosender, der in Eritrea kritische Informationen verbreitet, sendet aus Paris. Radio Erena wird von eritreischen Exil-Journalistinnen und -Journalisten betrieben, allerdings wird das Signal in ihrem Heimatland oft blockiert.

Dutzende Journalistinnen und Journalisten sind aus Angst vor Haft und Folter aus Eritrea geflohen, in dem mit Präsident Isaias Afewerki einer der größten Feinde der Pressefreiheit weltweit regiert. Mindestens 15 Medienschaffende sitzen derzeit wegen ihrer journalistischen Arbeit in Eritrea in Haft. Einer der bekanntesten inhaftierten Journalisten ist Dawit Isaak, der für die Zeitung Setit in der Hauptstadt Asmara gearbeitet hat. Er sitzt bereits seit 2001 ohne Urteil und ohne Anklage hinter Gittern. In seinen Artikeln hatte er sich wiederholt für politische Reformen in Eritrea stark gemacht. Laut ROG-Informationen sind sieben der Journalisten, mit denen Isaak ursprünglich festgenommen wurde, mittlerweile gestorben. Ob Isaak noch lebt, ist unklar, das letzte Lebenszeichen gab es 2010 durch einen ehemaligen Gefängniswärter.

An der prekären Lage für Journalistinnen und Journalisten hat auch das 2018 unterzeichnete Friedensabkommen mit dem Nachbarland Äthiopien nichts geändert.

Wie können Journalistinnen und Journalisten in Eritrea unter diesen Bedingungen arbeiten? Welche Rolle spielen Exilmedien? Was können Deutschland, die EU und die internationale Staatengemeinschaft tun, damit sich die Lage der Pressefreiheit in Eritrea verbessert? Was sollte die internationale Zivilgesellschaft tun, damit das Schicksal von Dawit Isaak und seinen Kolleginnen und Kollegen nicht vergessen wird? Fragen zur Situation von Journalistinnen und Journalisten in Eritrea beantwortet:

Aaron Berhane, eritreischer Journalist, der mittlerweile im Exil in Kanada lebt. Berhane hatte in den 90ern die Zeitung Setit mitgegründet und setzt sich unermüdlich für die Freilassung seines inhaftierten ehemaligen Kollegen Dawit Isaak ein. Berhane unterrichtet am George Brown College in Toronto und betreibt die Webseite Meftih, ein Informationsportal über Eritrea. 

Moderation: Anne Renzenbrink, Pressereferentin bei Reporter ohne Grenzen

Die Veranstaltung findet in englischer Sprache statt.

Wir bitten um Anmeldung per E-Mail.



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