Iran 30.07.2004

Erneuter Affront von iranischer Justiz im Fall Kazemi

Reporter ohne Grenzen ist empört über die jüngsten äußerungen der iranischen Justiz zum Fall Zarah Kazemi. Die iranischen Justizbehörden erklärten am Mittwoch, dass der Tod der iranisch-kanadischen Journalistin ein Unfall gewesen sein könnte.

Vor einer Woche noch saß der iranische Geheimdienstmitarbeiter Mohammad Ahmadi auf der Anklagebank. Er diente aus Sicht von Reporter ohne Grenzen allerdings nur als Sündenbock. Die wahren Schuldigen sind vielmehr in Kreisen des Staatsanwaltes Said Mortazevi zu suchen. Daher darf der Freispruch Ahmadis vom 24. Juli nun keinesfalls den Schluss zu lassen, dass Kazemis Tod ein Unfall war.

Vielmehr fordert Reporter ohne Grenzen – ebenso wie die Anwälte von Kazemis Familie – von Irans Oberstem Richter Ayatollah Shahrudi, für das Berufungsverfahren einen neuen, von der Staatsanwaltschaft unabhängigen Richter zu benennen. Dieser soll die Fakten erneut prüfen und den Fall rekonstruieren.

Für die Verhandlungen am vergangenen Wochenende hatten die Anwälte von Kazemis Familie die Zeugenaussage von Mohammad Bakshi und fünf weiteren hochrangigen Justizbeamten gefordert. Diese hatten Kazemi im Juni 2003 im Teheraner Evin Gefängnis, das Chef-Staatsanwalt Mortazavi untersteht, verhört. Während der Verhöre wurde Kazemi geschlagen; am 10. Juli starb sie an den Folgen. Das Gericht lehnte den Antrag auf Aussage der Mortazavi-Mitarbeiter ab und beendete das Verfahren nach nur zwei Tagen mit dem Freispruch Ahmadis.

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