Israel 14.10.2002

Israel / Besetzte Gebiete / Journalist in Ramallah erschossen

Reporter ohne Grenzen fordert in einem Brief an den israelischen
Verteidigungsminister Benyamin Ben Eliezer, den Mord an dem
palästinensischen Journalisten Issam Hamza Tillawi unverzüglich
aufzuklären, die Täter zu bestrafen und die Ergebnisse der Ermittlungen
öffentlich zu machen. Der Journalist und Radiomoderator von Voice of Palestine wurde in Ramallah in der Nacht vom 21. auf den 22. September
vermutlich von einem israelischen Scharfschützen in den Hinterkopf
geschossen, als er über eine Demonstration berichtete. Tillawi starb kurz
danach im Krankenhaus.

"Palästinensische Reporter verfügen meist über keine ausreichende
Ausrüstung, wie z.B. schusssichere Westen, und gehen daher täglich hohe
Risiken ein. Denn bei der israelischen Armee scheint ein Gefühl zu
herrschen, dass Angriffe auf Journalisten ungestraft bleiben", erklärte
Robert Ménard, Generalsekretär der internationalen
Menschenrechtsorganisation zur Verteidigung der Pressefreiheit, in Paris.
"Aber wie alle Armeen der Welt ist die israelische Armee durch die
Genfer Konvention verpflichtet, Zivilisten zu schützen, zu denen auch
Journalisten gehören", so Mènard weiter.

Ausgerüstet mit einem Aufnahmegerät, einem Schreibblock und einer Tasche
verließ Issam Hamza Tillawi (32) am 21. September kurz vor Mitternacht
seine Wohnung in der Nähe von Ramallah, um über Proteste gegen die
Belagerung des Hauptquartiers des Palästinenserpräsidenten Jassir Arafat zu
berichten. Nach Informationen des Chefredakteurs von Voice of
Palestine
, der mit Tillawi zusammen unterwegs war, trug der Journalist
eine Jacke mit der Aufschrift "Press". Tillawi hatte sich unter die
Demonstranten gemischt, um Teilnehmer zu interviewen, als israelische
Truppen Tränengasgranaten in die Menge warfen. Tillawi versuchte zu
flüchten, wurde jedoch von einem Schuss in den Hinterkopf getroffen.
Augenzeugen berichten, dass der Schuss von einem israelischen
Scharfschützen stammt, der auf einem Gebäude stand.

Tillawi, seit 1997 Mitarbeiter von Voice of Palestine, war für die
Nachrichtensendungen "Nahar Jadid" (Neuer Tag) und
"International Affairs" verantwortlich.

Seit März 2002 wurden bereits zwei weitere Journalisten in den Besetzten
Gebieten durch Schüsse der israelischen Armee getötet. Am 13. März kam
Raffaele Ciriello, Journalist der italienischen Tageszeitung
Corriere della Serra, durch Schüsse eines israelischen Panzers ums
Leben. Der palästinensische Journalist Imad Abu Zahra starb am 12.
Juli an Schussverletzungen der israelischen Armee. In den letzten zwei
Jahren wurden 46 Journalistinnen und Journalisten durch Schüsse der
israelischen Armee verletzt.

Für weitere Informationen: Tel. (030) 615 85 85

deutsch: www.reporter-ohne-grenzen.de

französisch / englisch / spanisch: www.rsf.org

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