Philippinen 29.03.2005

Journalistin erschossen

Reporter ohne Grenzen ist entsetzt über den Mord an Kolumnistin Marlyn Garcia Esperat, 45, von der Wochenzeitung Midland Review. Sie wurde am 24. März in ihrem Haus in Tacurong vor den Augen ihrer zehnjährigen Tochter erschossen.

Seit Beginn des Jahres war dies bereits der zweite Mord an einer Journalistin. In einem Brief an Innenminister Angelo Reyes forderte Reporter ohne Grenzen, dass „es nach wiederholten Angriffen auf Journalisten, die völlig ungestraft blieben, dringend notwendig ist, ein Klima wiederherzustellen, in dem die Presse angemessen arbeiten kann.“

Im Brief heißt es weiter: „Wir rufen Sie dazu auf, die nötigen Maßnahmen zu ergreifen, um Journalisten zu schützen und sicherzustellen, dass es eine ernsthafte Untersuchung über die genauen Motive für den Mord an Marlyn Garcia Esperat gibt. Keine Hypothese sollte ausgeschlossen werden, aber es scheint bereits sicher, dass Esperat wegen ihrer Arbeit als Journalistin umgebracht wurde.“
Der Brief an Innenminister Reyes schließt mit der Ankündigung, dass Reporter ohne Grenzen eine Untersuchungskommission vom 7. bis 13. April zu den Philippinen senden wird, um Nachforschungen über die zahlreichen Morde an Journalisten anzustellen.

Am 28. März setzte die nationale Polizei eine Arbeitsgruppe ein, die die Hintergründe zu dem Mord ermitteln soll.

Marlyn Garcia Esperat stand zwar unter Polizeischutz. Doch kurz vor dem Mord am 24. März hatte sie den Beamten erlaubt, über die Osterfeiertage nach Hause zu gehen. Polizeiberichten zufolge stürmten zwei Männer gegen 19 Uhr 30 Uhr ihr Haus und schossen der Journalistin in den Kopf.

Der Polizeichef von Tacurong sagte der Zeitung Mindanews: „Wir kennen noch nicht die Motive für diesen Mord, aber es wird nicht ausgeschlossen, dass Esperat wegen ihrer journalistischen Tätigkeit ermordet wurde.“ Marlyn Garcia Esperat kämpfte gegen Korruption und war bekannt für ihre beißenden Kommentare. Die Tageszeitung Inquirer berichtete, die Reporterin habe kurz vor ihrem Tod über die Vetternwirtschaft in der Stadt Sultan Sa Barongis und die Veruntreuung von etwa 750.000 Euro durch das lokale Büro des Landwirtschaftsamtes geschrieben.

Die Philippinen sind – nach dem Irak – das weltweit gefährlichste Land für Journalisten. Sechs Journalisten wurden 2004 in diesem Land wegen ihrer Arbeit ermordet; mindestens zehn überlebten Mordanschläge und sieben weitere starben aus bisher ungeklärten Gründen. Die dunkle Serie aus dem Vorjahr scheint sich auch 2005 fortzusetzen. Arnulfo Villanueva, Reporter der Zeitung Asian Star Express Balita, wurde am 28. Februar in Naic (Provinz Cavite) tot aufgefunden. Mindestens sechs andere Journalisten wurden seit Jahresbeginn tätlich angegriffen oder mit dem Tode bedroht.

Präsidentin Gloria Arroyo kündigte eine „gründliche Untersuchung“ des Mordes an Kolumnistin Marlyne Esperat an.

 

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