17.02.2006

Mohammed-Karikaturen: ROG fordert Freilassung inhaftierter Journalisten

Sechs Journalisten sind derzeit in Jemen und Algerien hinter Gittern und mindestens 13 Publikationen dürfen in verschiedenen Ländern nicht mehr erscheinen, weil sie die umstrittenen Mohammed-Karikaturen abgedruckt haben. Reporter ohne Grenzen ruft zu Solidarität mit den Medienleuten auf, die lediglich ihrer Informationspflicht nachgekommen sind, und fordert ihre sofortige Freilassung. Auch die Zeitungen und Zeitschriften müssen umgehend wieder erscheinen.


„Was auch immer man von den Karikaturen des Propheten und ihrer Veröffentlichung halten mag – Reporter ohne Grenzen hält es für absolut unentschuldbar, Journalisten zu inhaftieren, juristisch zu verfolgen oder deren Leben zu bedrohen, weil diese die Zeichnungen veröffentlicht haben“, sagt die Menschenrechtsorganisation. „Auch die Zensur der Publikationen verurteilen wir auf das Schärfste.“


In fünf Ländern leiteten Behörden Verfahren gegen mindestens elf Journalisten ein, sechs von ihnen sind bereits in Haft. In einigen Fällen drohen hohe Gefängnisstrafen. So wird in Jordanien gegen zwei Herausgeber wegen Provokation und Störung der öffentlichen Ordnung ermittelt. Im Jemen wurden drei Journalisten gemäß dem Artikel 103 des Pressegesetzes inhaftiert, welcher „jegliche Veröffentlichung verbietet, die dem islamischen Glauben schadet, eine monotheistische Religion oder einen humanistischen Glauben herabwürdigt“. Reporter ohne Grenzen fordert, alle entsprechenden gerichtlichen Klagen aufzuheben.

Mindestens 13 Publikationen in Algerien, Marokko, Jordanien, Malaysia, Indonesien und Jemen mussten zeitweilig oder endgültig ihre Arbeit einstellen, weil sie die umstrittenen Mohammed-Karikaturen, die ursprünglich in der dänischen Zeitung „Jyllands-Posten“ erschienen waren, veröffentlicht hatten. Reporter ohne Grenzen fordert das Wiedererscheinen aller betroffenen Medien.

Auch auf eine einer Konferenz von Reporter ohne Grenzen und der Arabischen Kommission für Menschenrechte am 9. Februar in Paris wurde darauf hingewiesen, dass nichts die Inhaftierung von Medienmitarbeitern rechtfertige. Rund 15 Journalisten, Intellektuelle und religiöse Wortführer der christlichen sowie der muslimischen Welt veröffentlichten einen Aufruf zu Gelassenheit und Dialog. Eine ähnliche Initiative kommt am 25. Februar in Kairo zusammen.


Weitere Informationen:

Reporter ohne Grenzen - Katrin Evers
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Fon +49/30/6158585 - Fax +49/30/6145649
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