Türkei 22.01.2007

Mord an Hrant Dink: ROG fordert weitere Ermittlungen

Obwohl der mutmaßliche Mörder des türkisch-armenischen Journalisten Hrant Dink am Samstag gefasst und weitere Personen verhaftet wurden, müssen die Ermittlungen fortgesetzt werden. Reporter ohne Grenzen schließt sich damit den Forderungen der türkisch-armenischen Zeitung „Agos“ an, dessen Herausgeber Dink war. Eventuelle Hintermänner der Tat müssen gefunden und zur Rechenschaft gezogen werden.

Der 53-jährige Dink war am vergangenen Freitag (19.1.) in Istanbul auf offener Straße von dem 17-jährigen Ogun Samast erschossen worden. Samast wurde am Samstag festgenommen. Auch sechs weitere Personen wurden inzwischen verhaftet.

„Die türkischen Behörden müssen klären, wer die eventuellen Hintermänner dieser schrecklichen Tat waren“, fordert ROG. „Nur so kann vermieden werden, dass sich derartiges wiederholt. Zudem muss der umstrittene § 301 des türkischen Strafgesetzbuches endlich gestrichen werden, um Journalisten wie Dink nicht länger wegen ihrer Arbeit zu kriminalisieren.“

Dink hatte sich journalistisch für die armenische Minderheit in der Türkei eingesetzt und war 2005 in diesem Zusammenhang nach § 301 des Strafgesetzbuches wegen „Beleidigung des Türkentums“ zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden. Im September 2006 wurde Hrant Dink, ein in der Türkei bekannter und von seinen Kollegen geachteter Journalist, erneut nach § 301 angeklagt wegen eines Interviews, das er der Nachrichtenagentur Reuters gegeben hatte. Dort brachte er das Massaker in Anatolien während des Ersten Weltkrieges mit Genozid in Verbindung. Er hätte bis zu drei Jahre Gefängnis erhalten können.

„Die Streichung des Paragraphen wäre ein deutliches Zeichen, dass Journalisten nicht länger wegen kritischer Äußerungen eingeschüchtert oder bedroht werden dürfen“, so Reporter ohne Grenzen weiter. Dink war Anfeindungen nationalistischer Kreise ausgesetzt und hatte zahlreiche Drohungen erhalten.

In der Türkei sind bereits mehrere Strafverfahren gegen Journalisten und Autoren nach § 301 eingeleitet worden, so gegen Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk und die Schriftstellerin Elif Shafak.

Wegen seines Engagements für die armenische Minderheit in der Türkei war Hrant Dink im vergangenen Jahr in Hamburg mit dem Henri-Nannen-Preis für Pressefreiheit 2006 ausgezeichnet worden.

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19.1.2007

Reporter ohne Grenzen ist zutiefst erschüttert über den Mord an Hrant Dink, Herausgeber und Kolumnist der türkisch-armenischen Wochenzeitung Agos. Er wurde am Freitag vor seinem Redaktionsbüro in Istanbul erschossen.

„Wir erwarten von der türkischen Regierung eine schnelle und lückenlose Aufklärung dieses Verbrechens und eine Verurteilung der Täter“, sagte die internationale Organisation für Pressefreiheit. „ Dies ist ein Prüfstein für die Türkei, die der Europäischen Union beitreten will.“

Kurz nach Mittag wurde der 53-Jährige durch mehrere Schüsse vor seinem Büro in Sisli, einem Stadtteil auf der europäischen Seite Istanbuls, getötet. Die Polizei fahndet nach einem jungen Mann in Jeansjacke und weißer Mütze. Er war auf einer Videoaufzeichnung zu erkennen.

Hrant Dink, bekannter und von seinen Kollegen geachteter Journalist, war immer wieder wegen seiner Artikel und Standpunkte zum Massaker an den Armeniern ins Visier der Strafverfolgungsbehörden geraten. Im Jahr 2005 hatte ihn ein Gericht wegen „Beleidigung des Türkentums" zu einer Haftstrafe von sechs Monaten auf Bewährung verurteilt. Im September 2006 wurde er erneut angeklagt wegen eines Interviews, das er der Nachrichtenagentur Reuters gegeben hatte. Dort brachte er das Massaker in Anatolien während des Ersten Weltkrieges mit Genozid in Verbindung. Ihm drohten bis zu drei Jahre Gefängnis.

„Die Türkei muss den umstrittenen Paragrafen 301 des Strafgesetzbuches endlich streichen, der Haftstrafen für "Beleidigung des Türkentums" vorsieht und somit ein Zeichen setzen, dass Journalisten nicht wegen kritischer Äußerungen eingeschüchtert oder bedroht werden dürfen“, fordert Reporter ohne Grenzen.

In der Türkei sind bereits mehrere Strafverfahren gegen Journalisten und Autoren nach Paragraf 301 eingeleitet worden, darunter gegen Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk und die Schriftstellerin Elif Shafak.

Wegen seines Engagements für die armenische Minderheit in der Türkei war Hrant Dink im vergangenen Jahr in Hamburg mit dem Henri-Nannen-Preis für Pressefreiheit 2006 ausgezeichnet worden. In der Türkei sah sich der Journalist Anfeindungen nationalistischer Kreise ausgesetzt. Er wurde massiv bedroht.

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