Gambia 14.12.2007

Mord an Hydara jährt sich zum dritten Mal – ROG verurteilt mangelnde Aufklärung

Deyda Hydara
Deyda Hydara

Der Mord an dem Journalisten Deyda Hydara, Herausgeber der unabhängigen Zeitung „The Point“ und Korrespondent von AFP und Reporter ohne Grenzen im Gambia, jährt sich am kommenden Montag zum dritten Mal. Reporter ohne Grenzen (ROG) erinnert an Hydara und fordert erneut die restlose Aufklärung des Mordes. „Die Behörden in Gambia haben in den vergangenen drei Jahren keinen ernsthaften Versuch unternommen, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen“, so ROG. Vielmehr zeigten die widersprüchlichen und aggressiven Äußerungen von Präsident Yahya Jammeh deutlich, dass die Regierung kein Interesse habe, den Mord aufzuklären.

Deyda Hydara wurde am 16. Dezember 2005 auf offener Straße erschossen. Er war auf dem Heimweg von einer Feier zum 13-jährigen Bestehen von „The Point“, der ersten unabhängigen Tageszeitung Gambias. Einige Tage vor dem Mord hatte er in einem Artikel die neuen repressiven Pressegesetze in seinem Land kritisiert. Danach erhielt er Todesdrohungen. Recherchen von Reporter ohne Grenzen ergaben, dass Deyda offenbar schon länger unter Beobachtung des gambischen Geheimdienstes stand.

Das einzige offizielle Statement der für die Aufklärung des Mordes zuständigen Behörden wurde sechs Monate nach der Tat veröffentlicht. Darin wird Hydara als „provokativ“ bezeichnet und der Mord als Beziehungstat hingestellt. Im Januar 2007 beschuldigte Präsident Jammeh die „Feinde Gambias“ des Mordes an Hydara. Er sagte, Hydara wurde getötet, um zu verhindern das er, Jammeh, zum Präsidenten der Economic Community Of West African States (ECOWAS) gewählt würde.

Nach dem Mord an Hydara stand „The Point“ vor dem Aus. Doch Hydaras Weggefährte Pap Saine entschloss sich, trotz Drohungen auch gegen ihn, die Zeitung weiter zu führen. Finanzielle Unterstützung erhielt er durch den Palm-Preis, mit dem „The Point“ 2006 auf Vorschlag von Reporter ohne Grenzen ausgezeichnet wurde.

Reporter ohne Grenzen hat zudem mehrfach vor Ort zu dem Mord recherchiert und Berichte mit den Ergebnissen veröffentlicht.

Weitere Informationen:
Katrin Evers
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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