Philippinen 20.05.2003

Nach zweitem Mord an Journalist fordert Reporter ohne Grenzen Maßnahmen zum Schutz

Der Radio-Moderator Apolinario "Polly" Podeba wurde am 17. Mai erschossen. Reporter ohne Grenzen(RoG) ist bestürzt über diesen gewaltsamen Tod. In einem Brief an den Präsident Gloria Macapagal Arroyo fordert die internationale Organisation zur Verteidigung der Pressefreiheit die philippinischen Behörden auf, alles zu unternehmen, damit die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen und bestraft werden. Zugleich ruft die Organisation die Behörden dazu auf, spezielle Maßnahmen zum Schutz von Journalisten zu ergreifen. "Wenn man Morde an Journalisten straflos ausgehen lässt, akzeptiert man,dass sich solche Verbrechen wiederholen. Die Regierung ist daher mitverantwortlich für die Welle der Gewalt gegenüber Journalisten," erklärt Robert Ménard, Generalsekretär von Reporter ohne Grenzen, in Paris.

Podeba hatte die lokalen Behörden beschuldigt, an der Verbreitung von Drogen und Glücksspiel in der Stadt Lucena beteiligt zu sein. Am Morgen des 17. Mai wurde er auf dem Weg zu den Studios seiner Radio-Station dw TI-AM in der Umgebung von Lucena von zwei Männern aus nächster Nähe erschossen.

Der Journalist war bekannt für seine Kritik an nationalen wie lokalen Behörden. Der ehemalige Anhänger einer kommunistischen Guerilla hatte in den beiden letzten Jahren zusammen mit zwei Kollegen die Sendung "Nosi ba Lasi" (Wo sind sie?) moderiert, in der sie den Bürgermeister von Lucena, Ramon Talaga, für die Verbreitung von Drogen und Glücksspiel verantwortlich machten. Der Bürgermeister hatte daraufhin im Jahr 2002 die Schließung der Radio-Station angeordnet, die jedoch ihren Betrieb außerhalb der Stadtgrenzen wieder aufnahm.

"Polly" Podeba ist bereits der zweite Journalist, der in diesem Jahr auf den Philippinen getötet wurde. Im April starb John Villanueva in Legapzi nachdem zwei Männer Schüsse auf den Radio-Reporter abfeuerten. Weitere Morde an Journalisten in den vergangenen Jahren, wie der Fall Edgar Damalerio oder der Fall Beng Hernandez, sind nach wie vor nicht aufgeklärt. 40 Journalistinnen und Journalisten wurden seit der Rückkehr der Philippinien zur Demokratie 1986 getötet.

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