Irak 31.01.2006

Neues Video von entführter Jill Carroll

Der arabische TV-Sender Al-Jazeera hat gestern ein weiteres Video von der im Irak entführten US-amerikanischen Journalistin Jill Carroll ausgestrahlt. Carroll bittet ihre Familie, ihre Kollegen und US-Amerikaner in der ganzen Welt, sich an das US-Militär und den irakischen Innenminister zu wenden. Diese sollen die Forderungen der Geiselnehmer erfüllen und alle weiblichen, irakischen Häftlinge freilassen. Reporter ohne Grenzen wird in Kürze von Doha und Dubai aus gemeinsam mit arabischen Medien eine Kampagne für die Freilassung Carrolls starten.

„Das Video ist erschütternd, doch immerhin beweist es, dass Carroll noch lebt", sagt Reporter ohne Grenzen. „Wir appellieren an alle Medien weltweit, insbesondere die der arabischen Welt und an alle muslimischen Führer, sich weiterhin für Jill Carrolls Freilassung einzusetzen."

Carroll war in dem jüngsten Video verschleiert und weinend zu sehen. Die Aufnahme ist nur wenige Sekunden lang und wurde laut Al-Jazeera am 28. Januar aufgenommen.

Ein erstes Video wurde von Al-Jazeera am 17. Januar gezeigt. Der Sender sagte, eine bis dato unbekannte Gruppe namens „Rachebrigade" drohe, ihre Geisel umzubringen, sollten nicht innerhalb der nächsten 72 Stunden alle weiblichen, irakischen Gefangenen freigelassen werden. Die Frist lief ohne Neuigkeiten von Carroll ab.

Carroll ist eine freie Journalistin, die für verschiedene jordanische, italienische und US-amerikanische Zeitungen schrieb. Zuletzt arbeitete sie verstärkt für den Christian Science Monitor. Sie wurde am 7. Januar im westlichen Bagdader Stadtteil Adel entführt. Dort wollte sie einen sunnitischen Politiker, Anden al-Doulaimi, treffen. Ihr Übersetzer Allan Enwiyah wurde am Ort der Entführung erschossen.

Seit Beginn des Irakkriegs im März 2003 wurden 35 Medienleute im Irak entführt. Fünf der Geiseln – vier Iraker und ein Italiener – wurden von ihren Entführern getötet. Die anderen wurden wohlbehalten wieder freigelassen. 23 dieser Entführungen fanden in Bagdad oder der näheren Umgebung der Hauptstadt statt.

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