Pressefrühstück am 20. Dezember 2019 in Berlin ICS

Pressefreiheit in Saudi-Arabien

Hatice Cengiz bei einer Veranstaltung in Brüssel © picture alliance / AA

Reporter ohne Grenzen lädt ein zum Pressefrühstück

am Freitag, den 20. Dezember 2019
von 8:00 bis 10:00 Uhr
in der ROG-Geschäftsstelle
10783 Berlin (2.OG)

Am 2. Oktober 2018 sah Hatice Cengiz ihren Verlobten Jamal Khashoggi zum letzten Mal. Die türkische Wissenschaftlerin und Nahostexpertin wartete vor der saudi-arabischen Botschaft in Istanbul, wo Khashoggi Unterlagen für die geplante Hochzeit abholen wollte. Doch der Journalist kam nicht mehr lebend heraus. Er wurde von einem 15-köpfigen, eigens aus dem Königreich angereisten Kommando ermordet. Seine Leiche wurde am Tatort mutmaßlich mit einer Knochensäge zerstückelt.

Auch 14 Monate nach dem grausamen Verbrechen ist weiterhin unbekannt, was mit seiner Leiche geschah und wer die Auftraggeber hinter der Tat waren. Das Königreich hatte die Tat zunächst geleugnet, dann eingeräumt und als ungeplantes Fehlverhalten der unmittelbar Beteiligten dargestellt. Elf Männern wird seit Januar in Saudi-Arabien unter Ausschluss der Öffentlichkeit wegen des Mordes der Prozess gemacht. Fünf von ihnen droht die Todesstrafe; durch ihre Hinrichtung würde die Wahrheit über die Hintergründe des Mordes an Khashoggi womöglich dauerhaft vertuscht. Ein zunächst als Mittäter benannter enger Vertrauter von Kronprinz Mohammed ist nicht unter den Beschuldigten. Lediglich die Türkei und die fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats dürfen gelegentlich Beobachter zu dem Prozess entsenden, aber nichts über dessen Inhalte bekanntmachen.

Der Kronprinz räumte in einem Ende September ausgestrahlten Interview mit einem US-Fernsehsender zwar eine politische Verantwortung für die Tat ein. Er beharrt aber auf der Darstellung, dass er die Tat weder in Auftrag gegeben noch von ihr gewusst habe – was nach allem, was über den Mord bekannt ist, sehr wahrscheinlich eine Lüge ist. Mit der Untersuchung einer UN-Sonderberichterstatterin hat Saudi-Arabien nicht kooperiert.

Anstatt sich der Aufklärung zu widmen, gehen die saudi-arabischen Behörden weiter mit aller Härte gegen unabhängige Journalistinnen und Journalisten vor. Saudi-Arabien gehört mit mehr als 30 inhaftierten Medienschaffenden zu den drei Ländern, in denen weltweit die meisten Journalistinnen und Journalisten wegen ihrer Arbeit im Gefängnis sitzen. Das geht aus der heute veröffentlichten Jahresbilanz der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen hervor.

Am 1. Dezember hat Saudi-Arabien turnusgemäß die jährlich rotierende G20-Präsidentschaft übernommen. In einem gemeinsamen Gastkommentar in internationalen Medien schrieben aus diesem Anlass die türkische Nahost-Expertin Hatice Cengiz sowie der Generalsekretär der internationalen Organisation von Reporter ohne Grenzen, Christophe Deloire: „Saudi-Arabiens G20-Präsidentschaft wie jede andere zu behandeln, käme einer ‚Lizenz zum Töten‘ für die Saudis gleich – einer Erlaubnis, die Wahrheit zu unterdrücken und Medienpluralismus auszulöschen. Wir rufen die G20 auf, Jamal Khashoggis Andenken nicht mit Füßen zu treten, sondern klare Zusagen von Saudi-Arabien zu erwirken, die Pressefreiheit zu respektieren und als ersten Schritt alle 32 inhaftierten Medienschaffenden freizulassen.“

Welche Möglichkeiten hat die Gruppe der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer, um Zugeständnisse Saudi-Arabien in Sachen Pressefreiheit zu erwirken? Was sollte die internationale Gemeinschaft tun, um Druck auf das Königreich auszuüben? Welche Aufgabe hat die EU und speziell Deutschland? Über diese und weitere Fragen diskutiert:

HATICE CENGIZ, türkische Nahost-Expertin und Verlobte des ermordeten Journalisten Jamal Khashoggi.

Mit einer Einordnung von Christian Mihr, Geschäftsführer Reporter ohne Grenzen

Die Veranstaltung findet auf Türkisch mit englischer Übersetzung statt.

Wir bitten um Anmeldung per E-Mail



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