22.10.2003

Radio-Reporter von Polizist erschossen

Ein Korrespondent von Radio France Internationale (RFI) ist am 21.Oktober in Abidjan erschossen worden, vermutlich von einem Polizisten. Jean Hélène wurde Polizeiangaben zufolge durch einen Kopfschuss getötet. Reporter ohne Grenzen fordert von der Regierung eine unabhängige Untersuchung der Todesumstände und harte Strafen für den Täter.

Der 48-jährige Radioreporter, Jean Hélène, arbeitete seit mehreren Monaten als Korrespondent für das französische Auslandsradio RFI in der Elfenbeinküste. Er wurde am Abend des 21.Oktober vor der Hauptverwaltung der Polizei (DGPN) in Abidjan erschossen. Der Journalist wollte Oppositionelle interviewen, die an diesem Tag aus der Haft entlassen worden waren. Der mutmaßliche Täter ist ein Polizist, der bereits verhaftet und verhört wurde. Staatschef Laurent Gbagbo und Premierminister Seydou Diarra sowie der französische Botschafter Gildas Le Lidec erkundigten sich bei den Verantwortlichen vor Ort nach den Tatumständen.

Die Menschenrechtsorganisation weist darauf hin, dass Auslandskorrespondenten in der Elfenbeinküste seit mehreren Jahren Repressionen ausgesetzt sind. Seit Kriegsbeginn im September 2002 hat sich die Lage weiter verschlechtert. Ausländische Medien, insbesondere die französischen und RFI, wird vorgeworfen, mit den Rebellen zu sympathisieren. Eine Untersuchungsmission von Reporter ohne Grenzen kam im Oktober letzten Jahres zu dem Schluss: "Die Arbeitsbedingungen für ausländische Journalisten haben sich noch verschärft. Die internationale Presse wird in den Augen der Regierung, der einheimischen Medien und der öffentlichkeit für die Lage im Land mitverantwortlich gemacht." Die Organisation zur Verteidigung der Pressefreiheit hatte bereits mehrfach Schutzmaßnahmen gefordert, um die Sicherheit ausländischer Journalisten zu erhöhen.

"Wir fordern eine unabhängige Untersuchung des Todesfalls, ein ballistisches Gutachten und eine Autopsie," erklärte Robert Ménard, Generalsekretär von Reporter ohne Grenzen heute in Paris. "Die Behörden und vor allem Präsident Laurent Gbagbo schulden uns eine Aufklärung des Falls. Die Täter müssen hart bestraft werden," fügte er hinzu.

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