China 17.09.2007

Rechercheur der NYT, Zhao Yan, kommt nach drei Jahren Haft frei

Reporter ohne Grenzen (ROG) begrüßt die Freilassung des New York Times Rechercheurs Zhao Yan. Er beendete seine dreijährige Haftstrafe, die er wegen angeblichem Betrug absitzen musste. Zhao Yans Schwester bestätigte gegenüber ROG, dass Zhao Yan am Samstag morgen um 8.00 Uhr das Pekinger Gefängnis verlassen durfte. „Er hat Gewicht verloren, aber ist in guter körperlicher und geistiger Verfassung“, sagte sie. Zuvor hatte ROG an die chinesischen Behörden appelliert, den Journalisten nach Verbüßung seiner Strafe auch wirklich auf freien Fuß zu setzen.

In einer ersten Stellungnahme dankte Zhao all denjenigen, die ihn unterstützt haben. Doch zunächst wolle er Zeit mit seiner Familie und seiner über 100 Jahre alten Großmutter verbringen. Danach hoffe er, seine Freunde und Kollegen zu treffen. Er kündigte zudem ein längeres Statement an, in dem er seine Ansichten mitteilen werde.

„Wir haben immer betont, dass Zhao ein ehrenwerter, hart arbeitender Reporter ist, dessen einzige Schuld darin bestanden zu haben scheint, journalistisch zu arbeiten. Wir erwarten jetzt, dass Zhao Yan nach Beendigung seiner Haftstrafe sein Leben wieder aufnehmen und weiterhin in dem von ihm gewählten Beruf ohne Einschränkung arbeiten kann“, teilte New York Times Chefredakteur Bill Keller mit.

Zhao Yan wurde im Oktober 2004 wegen „Verrat von Staatsgeheimnissen“ verhaftet. Dem Journalisten war vorgeworfen worden, Informationen über den Rücktritt des ehemaligen chinesischen Präsidenten Jiang Zemin vor der offiziellen Bekanntgabe an die US-amerikanische Tageszeitung „New York Times“ gemeldet zu haben. Diese hatte jedoch immer bestritten, dass Zhao die Quelle war. Im März 2006 ließen die Behörden die Anklage wegen „Geheimnisverrat“ fallen. Doch eine weitere Anklage wegen Betrugs hielten sie aufrecht und verurteilten den Journalisten im August 2006 zu einer dreijährigen Haftstrafe.
Reporter ohne Grenzen hatte 2005 ihren Menschenrechtspreis an Zhao Yan verliehen.

 

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