Türkei 01.07.2022

Ankara greift nun auch ausländische Medien an

DW-Hauptsitz in Bonn © picture alliance / dpa / Oliver Berg

Die Türkei hat über ihre Medienaufsichtsbehörde RTÜK am Donnerstag (30.06.) das Internetangebot der Deutschen Welle (DW) gesperrt. Zuvor war der deutsche Auslandssender aufgefordert worden, sich lizenzieren zu lassen. Dass die DW dem nicht nachkam, hält Reporter ohne Grenzen (RSF) für richtig, denn die RTÜK macht rege Gebrauch von ihrem mit einer Lizenzierung einhergehenden Recht, die Löschung unliebsamer Artikel einzufordern.

"Mit der Sperrung des Online-Angebots der Deutschen Welle durch RTÜK scheint die türkische Regierung ihre ständigen Angriffe auf unabhängige Medien im Land nun auf ausländische Medien ausweiten zu wollen", sagte RSF-Geschäftsführer Christian Mihr. "Die Deutsche Welle zeichnet sich seit vielen Jahren vor allem durch eins aus: unabhängige journalistische Berichterstattung über die permanenten Einschränkungen der Demokratie in der Türkei, die knapp ein Jahr vor den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen offenbar unterdrückt werden soll. Die Deutsche Welle füllt neben den wenigen verbliebenen unabhängigen Medien eine Informationslücke in der Türkei, nachdem die einst pluralistische Medienlandschaft in der Türkei mittlerweile zu fast 90 Prozent unter Kontrolle der Regierung oder regierungsnaher Geschäftsleute steht."

Auch der Online-Auftritt des US-amerikanischen Auslandssenders Voice of America wurde durch die Medienaufsichtsbehörde gesperrt.

Auf der Rangliste der Pressefreiheit steht die Türkei auf Platz 149 von 180 Staaten.



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