Russland 14.09.2007

Reporter ohne Grenzen äußert Bedenken wegen Einstellung der Ermittlungen im Fall Safronov

„Die Entscheidung der Moskauer Staatsanwaltschaft vom 12. September, die Ermittlungen im Fall Safronov einzustellen, lassen erneut Zweifel aufkommen, ob die russische Justiz die Aufklärung von Journalistenmorden ernsthaft verfolgt“, so Reporter ohne Grenzen (ROG). Ivan Safranov, Korrespondent der Zeitung Kommersant, war am 2. März unter ungeklärten Umständen ums Leben gekommen. Die Ermittler gehen nun von Selbstmord aus.

Safranov recherchierte kurz vor seinem Tod über russische Waffenlieferungen an Syrien und Iran. Seinen Bericht konnte er nicht beenden. Laut Freunden deutete nichts auf einen Selbstmord. Daher bleibt für ROG die Frage offen, warum die ermittelnden Behörden so schnell auf einen Selbstmord schlossen.

Die Moskauer Staatsanwaltschaft stellte keine Hinweise für einen kriminellen Tathintergrund im Falle Safranovs fest. In einem Statement vom Mittwoch teilte sie mit: „In seinem Beruf sprach Safranov sensible Themen an. Über diese wurde jedoch auch in anderen Medien berichtet. Es ist daher unwahrscheinlich, dass seine Artikel den Interessen anderer, der Regierung eingeschlossen, im Wege standen.“

Viele Journalisten, auch Safronovs Kollegen bei Kommersant, stellen die Schlussfolgerung der Staatsanwaltschaft in Frage. Der stellvertretende Chefredakteur von Kommersant, Ilya Bulavinov sagte gegenüber ROG, er bezweifele, dass die Ermittler Interesse an der Aufklärung des Falles hätten. Keiner der Leute, die Safronov in seinen Artikeln aufgeführt hatte, seien befragt worden, so Bulavinov.
„Die Ermittlung verlief sehr zögerlich. Als ich befragt wurde, nahmen die Ermittler nur sehr widerstrebend die Namen der Regierungsinstitutionen auf, die ich nannte. Als hätten sie Angst, die Leute, die dort arbeiten, zu befragen.“

Alexei Simonov, Präsident der Glasnost Defence Foundation, teilte ROG mit, er glaube die Staatsanwaltschaft habe ohne ausreichende Beweise auf Selbstmord geschlossen. Er bemängelte außerdem, dass nicht alle Aspekte von Safranovs Tod ausreichend geprüft und auch nicht öffentlich gemacht worden seien. Er fügte hinzu, liege kein Selbstmord vor, sei klar, warum die russischen Behörden den Fall abschließen wollten.

Safronov, 51, war ein ehemaliger Oberst aus dem russischen Weltraumprogramm, ein Experte in Verteidigungsfragen. Er kannte sich gut mit dem russischen Militärkomplex aus. Er starb durch einen Sturz aus dem vierten Stock seines Appartementblocks.


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