12.12.2006

Reporter ohne Grenzen verleiht Menschenrechtspreis

Reporter ohne Grenzen hat den Journalisten Win Tin aus Myanmar, die russische Zeitung Nowaja Gaseta, die kongolesische Journalistenorganisation „Journaliste en danger“ (JED) sowie den Cyberdissidenten Guillermo Fariñas Hernández aus Kuba für ihren besonderen Einsatz für Presse- und Meinungsfreiheit mit ihrem Menschenrechtspreis ausgezeichnet. Seit 1992 vergibt Reporter ohne Grenzen gemeinsam mit der französischen Stiftung Fondation de France diesen Preis. Er wurde heute Abend in Paris überreicht, ist in vier Kategorien unterteilt und mit je 2.500 € dotiert.

„Mit unserem Menschenrechtspreis wollen wir all jene ermutigen, die sich trotz erheblicher persönlicher Risiken für Presse- und Meinungsfreiheit engagieren“, sagt Elke Schäfter, Geschäftsführerin von Reporter ohne Grenzen in Deutschland. „Der Preis schafft Öffentlichkeit, die repressive Regierungen oft fürchten. Er wirft ein Schlaglicht auf die Einschränkungen, denen Medien weltweit unterworfen sind und zeigt, was unabhängigen Journalistinnen und Journalisten für kritische Recherchen in vielen Teilen der Welt droht.“

In der Kategorie „Journalist des Jahres“ entschied sich die international besetzte 35-köpfige Jury für den Journalisten Win Tin aus Myanmar. Er ist 76 Jahre alt und seit 17 Jahren hinter Gittern. 1989 verurteilte ihn ein Gericht in einem unfairen Prozess zu 20 Jahren Haft wegen Subversion und regierungsfeindlicher Propaganda. Trotz widriger Haftbedingungen und gesundheitlicher Probleme, bleibt Win Tin unbeugsam und weigert sich, der Nationalen Liga für Demokratie, der er verbunden ist, abzuschwören. Seine Nichte Thinn Thiri bedankte sich bei der Jury für Win Tin.

Den Preis für das Medium, das sich für das Recht auf Information einsetzt, erhielt die zwei mal pro Woche erscheinende Zeitung Nowaja Gaseta aus Moskau. Die am 7. Oktober ermordete kritische Journalistin Anna Politkowskaja schrieb für das Blatt. Nowaja Gaseta greift Tabuthemen wie Korruption bei den Behörden oder Menschenrechtsverletzungen in Tschetschenien auf und informiert kreml-kritisch. Alexandre Mineev, Europa-Korrespondent der Zeitung freute sich für die Redaktion über die Auszeichnung.

In der Kategorie „Cyberdissidenten“ wurde Guillermo Fariñas Hernández, Chef der unabhängigen Nachrichtenagentur Cubanacán Press, ausgezeichnet. Er setzt sich in Kuba für den ungehinderten Zugang zum Internet ein. Mit seinem Hungerstreik für ein freies Internet im Februar dieses Jahres erregte er weltweit Aufsehen. Der kubanische Schriftsteller Eduardo Manet übernahm stellvertretend für Guillermo Fariñas Hernández den Preis.

Als Verteidiger der Pressefreiheit ehrte die Jury die Journalistenvereinigung „Journaliste en danger“ (JED) aus der demokratischen Republik Kongo. Sie ist eine der aktivsten und angesehensten Organisationen für Pressefreiheit in Afrika. Ihr Engagement gilt liberaleren Pressegesetzen sowie Kolleginnen und Kollegen, die unter Druck geraten oder inhaftiert sind. Donat M'Baya Tshimanga, Präsident der Organisation, nahm den Preis entgegen.

Fernando Castelló, Präsident der internationalen Organisation für Pressefreiheit, hat die Preise überreicht. Unter den 35 Jurorinnen und Juroren waren aus Deutschland Fernsehmoderatorin Sabine Christiansen sowie Michael Rediske, Vorstand von Reporter ohne Grenzen, vertreten.

Weitere Informationen zu den Preisträgern:
Win Tin
Guillermo Fariñas Hernández
Nowaja Gaseta
Journaliste en danger


Die bisherigen Preisträger:
Zlatko Dizdarevic (Bosnien-Herzegovina - 1992), Wang Juntao (China - 1993), André Sibomana (Ruanda - 1994), Christina Anyanwu (Nigeria - 1995), Isik Yurtçu (Türkei - 1996), Raúl Rivero (Kuba - 1997), Nizar Nayyuf (Syrien - 1998), San San Nweh (Burma - 1999), Carmen Gurruchaga (Spanien - 2000), Reza Alijani (Iran - 2001), Grigory Pasko (Russland - 2002), Ali Lmrabet (Marokko - 2003), Hafnawi Ghoul (Algerien- 2004), Zhao Yan (China – 2005).

Die Jury:
Ekram Shinwari (Afghanistan), Nayeem Islam Khan (Bangladesch), Olivier Basille (Belgien), Colette Braeckman (Belgien), Sebastião Salgado (Brasilien ), Donat M’Baya Tshimanga (Demokratische Republik Kongo), Sabine Christiansen (Deutschland), Michael Rediske (Deutschland), Domenico Amha-Tsion (Eritrea), Mimmo Candito (Italien), Francis Charhon (Frankreich), Laurent Joffrin (Frankreich), Elise Lucet (Frankreich), Pierre Veilletet (Frankreich), François Bugingo (Kanada), Michel Kik (Katar), Carlos Cortes Castillo (Kolumbien), Miriam Leiva (Kuba), Maung Maung Myint (Myanmar), Rubina Möhring (Österreich), Sailab Mahsud (Pakistan), Ricardo Uceda (Peru), Mircea Toma, (Rumänien), Alexey Simonov (Russland), Eva Elmsater (Schweden), George Gordon-Lennox (Schweiz), Gérald Sapey (Schweiz), Omar Faruk Osman (Somalia), Fernando Castelló (Spanien), Maria Dolores Masana Argüelles (Spanien), Vicente Verdu (Spanien), Sihem Bensedrine (Tunesien) Ethan Zuckerman (USA), Zhanna Litvina (Weißrussland).

WEITERE INFORMATIONEN:
Elke Schäfter
Fon +49-30-6158585 – Fax +49-30-6145649
presse@reporter-ohne-grenzen.de
www.reporter-ohne-grenzen.de

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