Syrien 24.07.2013

ROG fordert Freilassung von Armin Wertz

© Glaré Verlag

Seit zehn Wochen gibt es keinen Kontakt mehr zu dem in Syrien festgenommenen deutschen Journalisten Armin Wertz. Anfang Mai geriet er in der umkämpften Wirtschaftsmetropole Aleppo in Polizeihaft. Eine ursprünglich geplante Verlegung in die Küstenstadt Latakia kam in der Woche danach zunächst nicht zustande. Seitdem gibt es keine Nachricht mehr von dem Reporter. Das Auswärtige Amt und Reporter ohne Grenzen (ROG) bemühen sich um seine Freilassung.

„Die syrischen Behörden müssen Armin Wertz umgehend freilassen“, forderte ROG-Geschäftsführer Christian Mihr. „Journalisten dürfen nicht aufgrund ihrer Arbeit festgenommen werden.“

Der 1945 geborene Wertz lebt in Indonesien und schreibt unter anderem für den Berliner Tagesspiegel sowie für verschiedene asiatische Zeitungen. In den Achtziger- und Neunzigerjahren berichtete er für den Spiegel aus Mittelamerika und für die Frankfurter Rundschau aus dem Nahen Osten. Auch in Kriegs- und Krisengebieten war er wiederholt im Einsatz. Ende April reiste er in den Süden der Türkei, um für die Jakarta Post, die Straits Times (Singapur) und mehrere deutschsprachige Medien über den Bürgerkrieg in Syrien und vor allem die Lage der Flüchtlinge zu berichten. Über das Grenzgebiet fuhr er nach Aleppo weiter. In den ersten Tagen seiner Haft konnte er einem Kollegen mitteilen, dass die Sicherheitskräfte ihn „weitgehend korrekt“ behandelten und er die Zelle mit einem türkischen Gefangenen teile.

Sowohl die Sicherheitskräfte des syrischen Regimes als auch einige Rebellengruppen versuchen mit gezielter Gewalt gegen Journalisten, die Deutungshoheit über die Ereignisse im Bürgerkrieg zu gewinnen. Willkürliche Festnahmen oder Entführungen sind in diesem Kontext keine Seltenheit. Derzeit werden neben Armin Wertz mindestens sechs weitere ausländische Journalisten in Syrien vermisst: die Franzosen Didier François und Edouard Elias (beide Europe 1), der Italiener Domenico Quirico (La Stampa), die US-Reporter James Foley (Global Post) und Austin Tice (Washington Post u.a.) sowie der Jordanier Bashar Fahmi Al-Kadumi (Al-Hurra TV).

Auch zahlreiche einheimische Journalisten befinden sich in der Gewalt einer der Konfliktparteien oder werden vermisst, darunter Shaza Al-Madad (Baladna, Al-Watan u.a.), der Karikaturist Akram Raslan (Al-Fida) und Malek Abu Al-Kheir (Orient TV). Nach wie vor verschollen ist auch Mazen Darwish, der Gründer und Präsident des Syrischen Zentrums für Medien und Meinungsfreiheit (SCM), das über die Situation von Journalisten im Land berichtete. Er wird an unbekanntem Ort festgehalten, seit Sicherheitskräfte am 16. Februar 2012 das SCM-Büro stürmten und Darwish sowie mehrere seiner Mitarbeiter verhafteten.

Syrien gehört infolge des anhaltenden Bürgerkriegs zu den gefährlichsten Ländern weltweit für Journalisten. Seit Beginn des Aufstands gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad im März 2011 sind dort mindestens 24 Journalisten sowie 60 Blogger und Bürgerjournalisten wegen ihrer Arbeit getötet worden.

Besonders prekär ist die Situation für freie Journalisten: Im Krisenfall können sie meist nicht auf denselben organisatorischen und finanziellen Rückhalt ihrer Auftraggeber hoffen wie ihre festangestellten Kollegen. Obwohl die derzeitige Lage in Syrien selbst für erfahrene Kriegsreporter äußerst unübersichtlich ist, reisen immer wieder schlecht vorbereitete junge Journalisten und Fotografen in das Kriegsland. ROG appelliert deshalb an alle Journalisten, nur nach sorgfältiger Abwägung der Risiken und mit angemessener Vorbereitung und Ausrüstung nach Syrien zu reisen.

Auf der ROG-Rangliste der Pressefreiheit steht Syrien auf Platz 176 von 179 Ländern – noch schlimmer ist die Lage nur in Turkmenistan, Nordkorea und Eritrea. Den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad sowie die Dschihadistengruppe Al-Nusra-Front zählt ROG zu den schlimmsten Feinden der Pressefreiheit weltweit. Aktuelle Meldungen zur Situation von Journalisten und Medien in Syrien finden Sie hier.

 

 

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