Tschad 26.06.2013

ROG fordert Freilassung von Deutsche-Welle-Korrespondent

© Deutsche Welle

Reporter ohne Grenzen (ROG) ist besorgt über das Schicksal des Tschad-Korrespondenten der Deutschen Welle. Eric Topona, der zugleich Generalsekretär des Tschadischen Journalistenverbands (UJT) ist, wird seit sieben Wochen im berüchtigten Untersuchungsgefängnis Am Sinene am Rande der Hauptstadt N’Djamena festgehalten und ist mittlerweile an Malaria erkrankt. Er benötigt dringend Medikamente und wartet auf eine Entscheidung über seinen Haftprüfungsantrag.

Topona war am 6. Mai zur Befragung in einem Ermittlungsverfahren vorgeladen worden und wurde bei seinem Erscheinen überraschend unter dem Vorwurf einer „Gefährdung der Verfassungsordnung“ verhaftet.  Einen Tag nach Topona nahmen die Behörden den Journalisten Moussaye Avenir de la Tchiré wegen „Anstiftung zum Hass und zu einem Volksaufstand“ in Haft, der als leitender Redakteur der Zeitung Abba Garde arbeitet und UJT-Schatzmeister ist. Auch er wird bis heute im Gefängnis festgehalten, ebenso der schon am 22. März verhaftete Autor und Blogger Jean Laokolé.

„Die Welle willkürlicher Verhaftungen von Journalisten ist Anlass zu größter Sorge für die Pressefreiheit im Tschad“, kritisierte ROG-Geschäftsführer Christian Mihr. Die fortgesetzte Inhaftierung der drei Medienschaffenden ohne Gerichtsurteile gegen sie sei unverhältnismäßig. „Eric Topona und seine Kollegen müssen endlich freigelassen werden.“

Topona und de la Tchiré wurden zeitgleich mit mehreren Oppositionspolitikern verhaftet, nachdem die Regierung Anfang Mai einen angeblichen Putschversuch öffentlich gemacht hatte, den die Opposition allerdings anzweifelt. Ein Haftprüfungsantrag für de la Tchiré wurde abgelehnt, obwohl ihm Pressevergehen zur Last gelegt werden, auf die nach tschadischem Recht keine Haftstrafe steht.

Topona und der Blogger Laokolé sind offenbar wegen ihrer Kontakte zu dem regierungskritischen Blogger Makaila Nguebla ins Visier der Behörden geraten. Dieser wurde am 7. Mai in einem international kritisierten Schritt aus seinem langjährigen Exilland Senegal nach Guinea ausgewiesen, wo sich die tschadischen Behörden nun um seine Auslieferung bemühen.

Topona hatte schon im vergangenen Jahr Drohungen erhalten, hinter denen die örtliche Presse ungeachtet offizieller Dementis die Behörden vermutete. Am 24. Juni 2012 wurde er bei einem mutmaßlichen Mordversuch von einem Motorrad angefahren. Als Hintergrund der Vorfälle vermutete er seinen Widerstand gegen eine geplante Versetzung in die Provinz durch seinen damaligen Arbeitgeber, den Staatssender ONRTV. Diese Versetzung hätte Topona an der Fortführung seiner Arbeit als UJT-Generalsekretär in der Hauptstadt N’Djamena gehindert, weshalb er sie als Strafaktion wertete.

In der vergangenen Woche haben die Behörden des Landes eine mehrtägige Tschad-Reise des Afrikareferenten im internationalen Sekretariat von ROG verhindert, indem sie seinen Visumantrag unter fadenscheiniger Begründung verschleppten. Neben Besuchen bei den inhaftierten Journalisten wollte der ROG-Vertreter vor Ort Gespräche mit Journalisten und Regierungsvertretern führen, um sich ein eigenes Bild von der Situation im Land zu machen.

Dabei hätten auch das Vorhaben eines äußerst repressiven neuen Mediengesetzes (Originaltext hier) sowie der Fall des Journalisten Jean-Claude Nékim zur Sprache kommen sollen. Nékim wurde aufgrund einer Verleumdungsklage zu einer einjährigen Bewährungsstrafe verurteilt; seine Zeitung N’Djaména Hebdo durfte drei Monate lang nicht erscheinen. In einem anderen Fall musste er am Mittwoch (26. Juni) erneut vor Gericht erscheinen.

Der Tschad steht auf Platz 121 von 179 Ländern in der ROG-Rangliste der Pressefreiheit. Einen Überblick über die Lage der Journalisten und Medien dort finden Sie hier, aktuelle Meldungen zum Tschad hier.
 

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