Belgien 22.03.2004

ROG: "Quellenschutz gehört zu den lebenswichtigen Voraussetzungen eines investigativen Journalisten"Reporter ohne Grenzen verurteilt Durchsuchung des Brüsseler STERN-Büros

Reporter ohne Grenzen (ROG) verurteilt die Durchsuchung und Beschlagnahme der persönlichen Unterlagen des STERN-Korrespondenten Hans-Martin Tillack am vergangenen Freitag durch die belgische Polizei. In einer am Samstag veröffentlichten Stellungnahme betont die internationale Menschenrechtsorganisation, dass der Quellenschutz eine "wichtige Voraussetzung für investigativen Journalismus" sei und fordert die sofortige Rückgabe der beschlagnahmten Gegenstände.

In einem Brief wandte sich ROG zudem an den belgischen Staatsanwalt Paul Degryse. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte werte Durchsuchungen von Büros oder Privaträumen von Journalisten als Verletzung von Artikel 10 der Europäischen Menschenrechtskonvention, solange keine besondere Dringlichkeit vorläge, mahnt Ménard, Generalsekretär der Menschenrechtsorganisation.
Tillack hatte in der Vergangenheit mehrfach über angebliche Betrugsskandale in der EU berichtet. Sein Büro in Brüssel sowie seine Privatwohnung waren nach richterlicher Anordnung am vergangenen Freitag durchsucht worden. Computer, das Mobiltelefon und viele Unterlagen sind beschlagnahmt. Die Anti-Korruptionsbehörde der EU, OLAF, verdächtigt Tillack, Geld für vertrauliche Informationen gezahlt zu haben.

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