14.08.2008

Schikane von Journalisten und Menschenrechtlern hält an

Auch während der Olympischen Spiele werden Menschenrechtler, Internetdissidenten und Journalisten in China beobachtet, bedroht und verhaftet. So wurde John Ray vom britischen Nachrichtensender „ITN“ gestern festgenommen, als er über Tibetproteste berichten wollte. „Dies zeigt, dass die ausländische Presse nach wie vor nicht ungestört arbeitet kann“, so ROG.

John Ray wollte einen Protest mehrerer ausländischer Aktivisten drehen, die ein Tibetbanner nahe den olympischen Stätten entrollten. Die chinesische Polizei verhaftete ihn, obwohl er sich als Journalist auswies. Er wurde über den Boden geschleift und gewaltsam 20 Minuten festgehalten. „Dies ist massive Körperverletzung. Ich bin sehr wütend“, sagte Ray gegenüber „Agence France Presse“.

Der Club ausländischer Korrespondenten in China (FCCC) zählt sieben solcher Übergriffe seit dem 7. August. Polizisten verhafteten Ende letzter Woche zwei „Associated Press“ Reporter in der nordwestlichen Provinz Xinjiang und löschten ihre Bilder. Einer der beiden wurde festgenommen, als er die Eröffnungszeremonie im Fernsehen verfolgte. Sicherheitskräfte hielten zudem zwei skandinavische Journalisten davon ab, Bauern in der Provinz Hebei zu den Auswirkungen der Olympischen Spiele auf deren Leben zu interviewen.

Eine europäische Journalistin, die seit mehreren Jahren in China arbeitet, beschrieb Reporter ohne Grenzen die Arbeitsbedingungen ausländischer Journalisten in Peking. Sie schilderte auch die Risiken für Chinesen, die es wagen, mit der ausländischen Presse zu reden.

„Die Sicherheitskräfte folgen mir ständig und überall hin, filmen und fotografieren mich“, sagt die Journalistin, die nicht namentlich genannt werden will. „Ich denke zweimal darüber nach, Chinesen über heikle Themen zu interviewen. Denn ich fürchte, man könnte sie festnehmen. [...] Letzte Woche wurden mehrere meiner Gesprächspartner hinterher verhaftet – wie etwa Bewohner des Qianmen Bezirks, der gerade renoviert wird. Unter ihnen ist die Sprecherin einer Gruppe Geschädigter, die ihre Wohnungen und Häuser zwangsweise räumen mussten und nun die Regierung wegen zu niedriger Entschädigungen verklagen. Der Gerichtsprozess begann im Juli, wurde aber wegen der Olympischen Spiele vertagt. Seit dem sie mir und anderen Journalisten ein Interview gab, ist sie hinter Gittern.
Ähnliches geschah mit dem Pastor einer nichtanerkannten Kirche. Und auch eine Britin tibetanischen Ursprungs wurde festgenommen und ausgewiesen, nachdem sie mir ein Interview gegeben hatte. Deshalb müssen wir uns selbst zensieren. Mit einigen Chinesen können wir aus Angst um deren Sicherheit nicht reden. Wir sind alle eingeschüchtert, was das Arbeiten in China [...] schwer macht.“

Auch kritisieren die chinesischen Medien seit dem Tibetaufstand vom März vermehrt die ausländische Berichterstattung. „Die chinesischen Medien versuchen, unsere Glaubwürdigkeit zu untergraben“, sagt sie. Nicht nur das – Dutzende ihrer Kollegen haben Todesdrohungen erhalten, erzählt die Journalistin.

Die Behörden schikanieren auch einheimische Aktivisten, von denen befürchtet wird, sie könnten während der Spiele protestieren. Zeng Jinyan, Ehefrau des verhafteten Menschenrechtlers und Internet-Dissiedenten Hu Jia, wurde nahe gelegt, während der Olympischen Spiele Peking zu verlassen. Zudem solle sie nicht mehr mit ausländischen Medien oder Freunden sprechen. Seit dem 7. August gibt es von ihr und ihrer sieben Monate alten Tochter keine Neuigkeiten. Ihre Schwiegermutter sagte gegenüber verschiedenen chinesischsprachigen Nachrichtenmedien, dass man Zeng vielleicht gezwungen habe, die Stadt zu verlassen. Zeng Jinyan wird seit mehreren Jahren ständig von der Polizei überwacht und steht seit August 2006 unter Hausarrest.

Weitere Informationen auf unserem Olympia-Blog:

http://olympicgames.rsfblog.org/

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