12.09.2012

Schwedische Journalisten nach 14 Monaten Haft freigelassen

© Jonas Gratzer/Kontinent Agency

12.09.2012 - Die äthiopische Regierung hat anlässlich des Neujahrsfestes am 11. September den Journalisten Martin Schibbye und den Fotografen Johann Persson nach 14-monatiger Gefängnisstrafe begnadigt. Die beiden Schweden waren am 1. Juli 2011 festgenommen und im Dezember zu elf Jahren Haft verurteilt worden. Das Gericht hatte sie für schuldig befunden, illegal in das Land eingereist und terroristische Aktivitäten unterstützt zu haben. „Wir sind erleichtert über die Freilassung von Martin Schibbye und Johann Persson, die 14 Monate ohne rechtmäßiges Urteil im Gefängnis saßen“, sagte ROG-Generalsekretär Christoph Deloire. „Wir fordern die äthiopische Regierung dazu auf, auch alle anderen inhaftierten Journalisten freizulassen.“

Die beiden Schweden Johann Persson und Martin Schibbye hatten Ende Juni 2011 versucht, mit der Rebellengruppe Ogaden National Liberation Front, die von der äthiopischen Regierung als Terrororganisation angesehen wird, in die abgeriegelte Krisenregion Ogaden vorzudringen. Nach der Einreise wurden sie festgenommen und später beschuldigt, an terroristischen Aktivitäten beteiligt gewesen zu sein. Persson und Schibbye wollten nach eigenen Angaben in der Ogaden-Provinz unter anderem über die Rolle des schwedischen Energieunternehmens Lundin Petroleum recherchieren. Am 21. Dezember verurteilte ein äthiopisches Gericht sie zu elf Jahren Haft wegen »illegaler Einreise« und »Unterstützung terroristischer Aktivitäten«. ROG machte während des Prozesses darauf aufmerksam, dass die beiden Journalisten lediglich ihr Recht auf Pressefreiheit wahrgenommen hatten, indem sie aus der Konfliktregion berichten wollten.

In den vergangenen Wochen hatte Reporter ohne Grenzen die Verhandlungen zwischen der schwedischen Regierung und dem äthiopischen Premierminister Meles Zenawi in dieser Angelegenheit verfolgt. Nach dessen Tod am 21. August befürchteten die Angehörigen der Journalisten, die Kommunikation nach Äthiopien könne abreißen. Zenawi hatte jedoch vor seinem Tod verfügt, die beiden Journalisten am 11. September freizulassen und ihnen die Rückkehr in ihre Heimat zu gestatten.

Äthiopien steht auf der ROG-Rangliste der Pressefreiheit auf Platz 127 von 179. Noch immer sind drei äthiopische und zwei eritreische Journalisten in Haft.

 

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