Iran 07.07.2009

Sorge um iranischen Journalisten im Koma

Reporter ohne Grenzen (ROG) ist besorgt um den Journalisten Saed Hadscharian, der am Abend des 3. Juli ins Krankenhaus eingeliefert wurde, nachdem er offenbar im Gefängnis ins Koma fiel. Hadscharian wurde am 15. Juni in seinem Haus in Teheran festgenommen, obwohl er gehbehindert und in gesundheitlich sehr schlechter Verfassung ist.

Sein Arzt und seine Frau, die ebenfalls Ärztin ist und in den USA lebt, haben die iranischen Behörden in einem offenen Brief aufgefordert, den Journalisten freizulassen: "Wenn Sie wollen, dass er am Leben bleibt, dürfen Sie ihn nicht im Gefängnis lassen.", heißt es in dem Brief.

"Hadscharian muss sofort von einem unabhängigen Arzt untersucht werden. Seine Familie und sein Arzt müssen über seinen Zustand informiert werden", sagt ROG. "Wir wiederholen unsere Forderung an die iranischen Behörden, Abgesandten der Vereinten Nationen den Zugang in das Evin-Gefängnis in Teheran zu gewähren, damit die Welt erfährt, was dort vorgeht."

Nach Informationen von ROG wurde der Journalist Massud Bastani am 4. Juli verhaftet, als er seine Frau, die Journalistin Massa Amrabadi, im Evin-Gefängnis besuchte. Amrabadi war am 14. Juni inhaftiert worden, obwohl sie schwanger ist.

Der reformorientierte Journalist Issa Saharchis und frühere Redakteur des 2004 verbotenen Magazins Aftab wurde ebenfalls am 4. Juli festgenommen. Während seiner Festnahme in seinem Haus wurde Saharchis von den Beamten geschlagen. Seine Familie hat seitdem nichts mehr von ihm gehört.

Der Irankorrespondent von Newsweek, Masiar Bahari, wurde nach Angaben seines Anwalts am 4. Juli wegen "Aktivitäten gegen die staatliche Sicherheit" angeklagt. Seit seiner Inhaftierung am 21. Juni wurde Bahari, der die iranische und die kanadische Staatsbürgerschaft besitzt, noch kein Treffen mit seinem Anwalt gestattet.
Die Nachrichtenagentur Fars News, die dem Teheraner Generalstaatsanwalt Said Mortasawi nahe steht, verbreitete am 30. Juni ein Video, auf dem Bahari zugibt, ein Spion im Dienste ausländischer Mächte zu sein und bei der Organisation einer "sanften Revolution" mitgewirkt zu haben.

ROG begrüßt die Freilassung des griechisch-amerikanische Journalisten Iason Athanasiadis-Foden am 5. Juli. Der Mitarbeiter der Washington Times war am 19. Juni auf dem Teheraner Flughafen festgenommen worden, kurz bevor er das Land verlassen wollte. Nach Informationen von ROG war Athanasiadis-Foden der einzige nichtiranische Journalist, der seit den umstrittenen Wahlen vom 12. Juni inhaftiert wurde.

Im Iran sind derzeit 35 Journalisten und Blogger in Haft.

Weitere Informationen:
Anja Viohl
Tel.: 030 615 85 85


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