Portugal 02.02.2012

Staatlicher Rundfunk streicht kritische Sendung / ROG fordert Aufklärung

Reporter ohne Grenzen (ROG) ist besorgt über die offensichtlich politische Einmischung beim bekannten portugiesischen Radiosender Antena 1. Das Morgenmagazin Este Tempo wurde überraschend aus dem Programm genommen und die Verträge von fünf Reportern nicht verlängert. Wenige Tage zuvor hatte sich einer der Journalisten während der Sendung kritisch über die Regierung geäußert. „Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, ist dieses Vorgehen absolut inakzeptabel“, so ROG.
 
Am 23. Januar hatten fünf Reporter des staatlichen Radiosenders Rádio Televisao Portuguesa (RTP) erfahren, dass ihre Verträge Ende des Monats nicht verlängert werden und ihre Sendung Este Tempo aus dem Programm genommen wird.
 
ROG fordert den Sender auf, dieses Vorgehen zu erklären. „Was waren die redaktionellen Gründe dafür, die Sendung abzusetzen? Warum wurden die Betroffenen erst so kurzfristig informiert, obwohl die Entscheidung bereits vor einiger Zeit fiel, wie jetzt behauptet wird?“ Weder der Generaldirektor von RTP noch die Presseabteilung haben bisher auf die Anfragen von ROG reagiert. 
 
Pedro Rosa Mendes, einer der gekündigten Reporter, glaubt, dass die Entscheidung unmittelbar mit seiner Sendung vom 18. Januar zusammenhängt, in der er die Angola-Berichterstattung des staatlichen portugiesischen Fernsehens als Propaganda für die autoritäre angolanische Regierung kritisiert hatte.
 
ROG unterstützt die Forderung der parlamentarischen Opposition in Portugal, diesen Fall aufzuklären und wird das Geschehen weiter aufmerksam verfolgen. 
 
Weitere Details zum Fall in englischer Sprache finden Sie hier
 

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